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POLITIK

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Wir gedenken Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

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Bilder: rosalux.de

Welche Worte würden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wählen, um den Zustand der Gegenwart zu beschreiben, wie wir sie gerade erleben? Welche Gedanken wären ihnen die Wichtigsten, sie sofort laut auszusprechen und öffentlich zu machen?

Wir gedenken Rosa Luxemburg, die am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Unvergessen bleiben ihre internationalistische und antimilitaristische Haltung, die ihre AnhängerInnen bis heute in ihrem Tun beflügeln. Ebenso der revolutionäre Geist, dem Kapitalismus mit leidenschaftlicher und überzeugender Kritik zu begegnen. Sich mit aller Kraft aufzulehnen, wo es nötig war.

Sie war eine promovierte Akademikerin und beeindruckte durch ihre Vielsprachlichkeit, durch ihre Wortgewandtheit und Überzeugungskraft. Viel zitiert wurde ihr Satz: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern. Den tapferen Kampf um soziale Gleichheit und politische Freiheit bezahlte sie unter Qualen mit ihrem Leben.

Wir gedenken Karl Liebknecht, der am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Wie Rosa war auch Karl, durch die Werke von Marx stark beeinflusst, eine unermüdliche Kraft im antimilitaristischen Kampf. Er rief am 09. November 1918 vor dem Berliner Schloss eine freie, sozialistische Republik aus. Mit ihm wurde aus der Gruppe Internationale der Spartakusbund geschaffen.

Karl war Sprecher der revolutionären Linken und einer der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands an der Seite von Leo Jogiches und Rosa Luxemburg. Ab dem 08. Januar nahm Karl am Spartakusaufstand teil. Eine Woche später wurde er am Ufer des Neuen Sees in Berlin grausam mit mehreren Schüssen getötet.

Wir gedenken ihrem Mut und ihrer Widerstandskraft. Für ihre Motive und Ideale haben sie unbeirrbar gekämpft und dabei zuerst ihre Ziele statt die eigene Sicherheit beachtet. Ihr Vermächtnis ist uns Mahnung und Ansporn zugleich, für eine gerechte Zukunft zu kämpfen. Eine, die man behüten und behalten will. Eine, um die es sich zu kämpfen lohnt!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe Immer wieder sonntags zu Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, 13.01.19.
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Die Geschichte von Erich Krämer

Kommentar in der Ausgabe: Antifaschistischer Rundbrief Nr. 101.

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Mein Urgroßvater Franz Erich Krämer, kurz Erich Krämer, wurde am 09. März 1900 in Granschütz in Sachsen-Anhalt geboren. Nach seiner Schulzeit ging er in die Lehre und erlernte das Handwerk des Barbiers. Anschließend zog er nach Dänemark und eröffnete in Haderslev den ersten, eigenen Salon. Von dort stammte seine Ehefrau Dorothea Krämer, geboren als Dorothea Petrine Meiland am 16.09.1896. Erich und Dorothea heirateten am 02.06.1922. Kurz darauf wurde am 12.07. ihr erster Sohn Ernst Erich Krämer geboren. Es folgten am 12.08.1926 Karl Heinz und am 28.02.1928 Hans-Werner Krämer.

Erich und Dorothea wohnten mit Ernst in der Sönderbro in Haderslev, ehe 1924 ein Umzug folgte und die Familie nach Elmshorn zog. 1926 trat Erich einer Schalmeienkapelle sowie der Roten Hilfe bei und wurde 1929 Mitglied und Unterkassierer in der KPD. Der Wohnsitz der Familie lag in der Kirchenstraße 55, nach der Geburt der drei Söhne in der Peterstraße 4 in Elmshorn. Erich erarbeitete den Lebensunterhalt durch eine Tätigkeit als Friseur, später als Arbeiter in der Lederfabrik Metzger.

Im Juli 1932 kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten in der Ollnsstraße in Elmshorn. Erich und eine Reihe Gleichgesinnter traten 14 SS-Männern gegenüber, welche provokativ auftraten und ihre Propaganda publik machen wollten. Man vertrieb die Nazis, doch es kam zu Verhaftungen unter den Widerständlern durch die Polizei. Auch Erich wurde an diesem Tag verhaftet, jedoch nicht für ein Vergehen verurteilt.

Ab Januar 1933 verschlimmerten sich die Umstände drastisch. Die Mitglieder der Schalmeienkapelle erfuhren neben vielen anderen Gruppen und Einzelpersonen Beschlagnahmungen ihrer Instrumente und andere Repressalien durch die Polizei. Diese wurde angetrieben durch Anklagen der Hamburger Gestapo. 1934 nahm die Gestapo verschiedene Protagonisten wegen der Verteilung von Flugblättern gegen das Regime Hitler fest. Es kam zur Anklage wegen der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens.

Erich wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und am 19.12.1934 im KZ-Lager Fuhlsbüttel inhaftiert. Vom 26.08.1935 bis 16.01.1938 folgte eine Haft im KZ Esterwegen, zeitweise im Zuchthaus Rendsburg. Während dieser Jahre übernahm Dorothea die Aufgabe der Unterkassiererin in der KPD und arbeitete als Haushälterin in Anstellung, um die Kinder zu ernähren.

1938 kehrte Erich nach Elmshorn zurück und nahm direkt eine neue Stelle an. Er wurde trotz der erst kürzlich erlittenen, körperlichen Belastungen Arbeiter auf der Krämerwerft. Dort tauschte er sich mit anderen Arbeitern aus und übte deutliche Kritik am Nationalsozialismus, an der Regierung Hitler und an der Unmenschlichkeit, mit der in Konzentrationslagern und Zuchthäusern mit Menschen umgegangen wurde. Durch seine edle und ehrliche Haltung kam es, dass er denunziert und erneut verhaftet wurde.

Am 18.03.1942 wurde er nach dem Heimtückegesetz durch das Amtsgericht Neumünster zu zehn Monaten Haft verurteilt. Sein Leidensweg führte in das KZ Sachsenhausen, wo er als sogenannter Schutzhäftling mit der Nummer 0439 13 im Sonderkommando Klinkerwerk Sklavenarbeit leisten musste. Die Arbeit bestand unter anderem darin, Gaskammern zu kacheln, ehe diese zur Ermordung von Menschen in Betrieb genommen wurden.

Am 16.07.1942 wurde Franz Erich Krämer per Kopfschuss ermordet. Der Totenschein vom 18.07.1942 wies die nicht zutreffende Todesursache einer Allgemeininfektion aus. Am 19.08.1942 wurde die Urne mit der Asche von Erich Krämer beigesetzt. Sein Mut und seine Charakterstärke bleiben uns ein Vorbild, den Faschismus und Nationalismus entschlossen zu bekämpfen!

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Von guten Worten und besseren Taten.

Nähert sich ein Jahr seinem Ende, neigt der Mensch dazu, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was nicht. Was eine Jede und ein Jeder an persönlichen Vorsätzen fassen, ist zu vielfältig, um es wirklich greifen zu können. Doch was universell für alle gelten kann oder soll und uns als Menschheit gleichermaßen betrifft, lässt sich sehr einfach in Worte fassen und leitet idealerweise zu guten, ja zu besseren Taten an.

Wie es der Astronaut Alexander Gerst sehr treffend auf den Punkt gebracht hat, krankt es beim Umgang mit unserem Planeten und seinen Ressourcen an sehr vielen Stellen. Hinzu kommen die Kriege, die schreckliches Leid verursachen und wie im Fall von Syrien einen erheblichen Teil der Bevölkerung zur Flucht gezwungen haben.

In Deutschland klafft die soziale Spaltung so stark hervor, dass sich manche Menschen mit nichts anderem als dem Kaufrausch im Bereich der Luxusprodukte und mit Wellness-Wochenenden im exklusiven Edel-Domizil die Zeit vertreiben, während andere ihren Kindern kaum das Schulbrot, eine neue Hose oder das Dach über dem Kopf bezahlen können. Oftmals trotz Haupt- und Minijob.

Martin Luther King hat gesagt: Einerseits muss ich versuchen, die Seele eines jeden Einzelnen zu verändern, damit sich die Gesellschaft verändern kann. Andererseits muss ich versuchen, die Gesellschaft zu verändern, damit sich jede einzelne Seele verändern kann.

Wir leben im Überfluss der Informationen, der Anreize und entdecken und entwickeln im Verlauf unseres Lebens unterschiedlichste Interessen und Neigungen. Bedürfnisse verändern sich, Prioritäten tragen verschiedene Gesichter. Doch bestimmte Grundsätze ändern sich nicht. Gerade die elementar notwendigen Grundlagen sind nicht so verschieden.

Die Logik und die Empathie können ein Schlüssel sein, zu einem besseren Miteinander zu gelangen. Für unser aller Wohl ist es sehr zu wünschen, dass wir uns mehr als eine Weltgemeinschaft verstehen, in der es zukünftig allen besser gehen kann und soll als bisher. Nicht als blanke Ansammlung von Egoismen. Diese Geschichten führen über kurz oder lang zu einem bösen, einem zerstörerischen Ende.

Es gilt, sich mit dem Besten auseinanderzusetzen, was wir haben – mit dem Herzen und dem Hirn. Wer nur die eigene Gier liebt und dem eigenen Wohlstand huldigt, wird sich jetzt wohl beim „Herzen“ ein Grinsen nicht verkneifen. Hier ist das Empathiedefizit auf das Grausigste erkennbar.

Wer sich ihrer oder seiner Menschlichkeit und den damit verbundenen Werten bewusst ist, sollte den eigenen Gedanken nicht nur Worte, sondern auch Taten folgen lassen. Nur so erreicht man vielleicht eines Tages ein gutes Leben für alle und eins ist sicher: Es lohnt sich, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen.

Auf ein Jahr 2019 der freundlichen Gemeinschaftlichkeit und des verständnisvollen Miteinanders!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe Immer wieder sonntags zum Jahreswechsel, 30.12.18.

Eine neue Zeit des Gewissens.

Es ist für sich genommen skandalös, mit welcher Häufigkeit Verbraucherinnen und Verbraucher von Skandalen rund um die Herstellung von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und weiteren Produkten geschockt und gedemütigt werden. Ob es sich um Gammelfleisch, um mit Plastikteilchen versetzten Joghurt oder schädliche Lotionen und Deodorants handelte, machte in der Betrachtung manchmal kaum einen Unterschied. Mit welcher Sorglosigkeit, Fahrlässigkeit oder mit welchem Vorsatz hier gehandelt wurde, ist zu erahnen und doch schwer zu begreifen. Wie drastisch hier Verfehlungen zugunsten von Profiten, Wachstum und Rendite neue Höhen erreichen, ist um so mehr erschreckend. Ob hier in Deutschland oder anderswo.

Man erkennt es gut am Beispiel des neuerlichen Skandals um das Unternehmen Johnson & Johnson in den USA. Wie die Nachrichtenagentur Reuters angibt, wurde bei der Herstellung von Babypuder während der Jahre 1971 bis Anfang der 2000er wohl wissentlich die Beimischung von Talkum in Kauf genommen, welches Anteile von Asbest enthalten haben soll. Die Verantwortlichen sollen darüber informiert gewesen sein, haben sich allerdings gegen mögliche Änderungsmaßnahmen entschieden. Heute blickt J & J in Anbetracht der Bekanntmachung durch Reuters auf einen Aktieneinbruch von 10 % an der New Yorker Börse (Quelle vom 14.12.18), der Börsenwert des Unternehmens sank zeitweise um bis zu 45 Milliarden Dollar.

Den schlimmsten aller Schäden erleiden jedoch jene Mütter und Babys, die nun klagen, nachdem sie mit dem krebserregenden Puder in Kontakt kamen und erkrankten. Anhand der Details lässt sich kaum in Worte fassen, welches abscheuliche und menschenverachtende Denken und Handeln jene Verantwortlichen angetrieben haben soll, den Wert der Gesundheit der eigenen Kundschaft so gering zu schätzen und vorsätzlich Krankheiten bis hin zum Tode zugunsten einer höheren, wirtschaftlichen Ausbeute und Marktmacht in Kauf zu nehmen. Welche charakterlichen Abgründe sich hier auftun, ist derart widerlich, dass es nur angemessen sein kann, sich für eine neue Zeit des Gewissens einzusetzen. Ob in Deutschland oder anderswo.

Eine Zeit des Gewissens, in der Inhaberinnen und Inhabern, Vorständen und Geschäftsführenden bei der Herstellung und Produktion von Gütern das Wohl der Arbeitenden genauso wichtig sein soll wie jenes der Kundinnen und Kunden. Ebenso die Umweltbedingungen, die zur Herstellung nötig sind und die Bemessung, was dieses Produkt am Markt kosten kann und darf. Und niemals zuletzt, welchen qualitativen Standard es erfüllen muss. Ein Ist-Zustand, in dem auf Kosten der Gesundheit unserer Mütter und Babys wie im genannten Beispiel dreckiges Spiel zugunsten der Profite Einzelner getrieben wird, ist nicht hinnehmbar. Wer so etwas fördert, hat jeden Anstand, jede Menschlichkeit, jeden gesunden Menschenverstand weit hinter sich gelassen.

So ist für das neue Jahr, für die Zukunft und nicht nur für die Menschen in Deutschland zu wünschen, dass exemplarische Strafen für Verfehlungen wie diese hier aufgeführten zusammen mit aufklärender Arbeit zu einer Verbesserung solcher unsäglicher Zustände führen und Menschen der Verleitung zukünftig um so mehr widerstehen, solche Taten auszuführen oder geschehen zu lassen. Egal wo, egal wann – es ist keinem Menschen zu wünschen, sein Produktvertrauen auf die eine oder andere Art mit seiner Gesundheit oder seinem Leben zu bezahlen. Wir kämpfen mit unseren Möglichkeiten für den Respekt und die Anerkennung von Mensch, Umwelt und von Werten, die nicht zugunsten von Profiten und Marktzuwachs verkannt werden dürfen. Für eine neue Zeit des Gewissens.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe Immer wieder sonntags zu Herstellerskandalen und Produktvertrauen, 16.12.18.

in Bezug auf / Quelle: https://www.reuters.com/investigates/special-report/johnsonandjohnson-cancer/

Wir unterstützen die Seebrücke.

Während wir hier in der sicheren Heimat all unseren täglichen Beschäftigungen nachgehen, sieht es in vielen Ländern ganz anders aus. Die Kriege und Kämpfe, die Naturkatastrophen und die Armut treiben Menschen von ihrem Zuhause fort und schicken sie auf eine lebensgefährliche Reise voller Ungewissheit, Schmerz und Entwurzelung. Sie sind gezwungen, ihre vertraute Umgebung und ihr soziales Umfeld zurückzulassen und nur das Nötigste mitzunehmen. Ihren Familien können sie nicht versprechen, diese Reise lebend und unversehrt zu überstehen. Sie wissen nicht, wo sie in Zukunft schlafen und was sie essen werden. Ob es Menschen geben wird, die sich ihrer erbarmen – ob während der Flucht oder danach?

Oft zahlen sie all ihre Ersparnisse für eine Fahrt voller Gefahren. Sie werden wie Ware betrachtet und behandelt, sie werden belogen und erniedrigt. Es fehlt an Versorgung, Sicherheit, am für Körper und Seele notwendigsten in jeder Hinsicht. Sie haben nur, was sie am Leib tragen und als Halt jene, die bei ihnen sind. In überfüllten Booten werden sie auf den Seeweg getrieben, nicht gewappnet gegen Stürme, Niederschlag oder gegen Angriffe von außen. Eher sind es noch falsche Versprechen, die ihnen mitgegeben werden, man würde sie in Europa freundlich willkommen heißen und ihnen die Welt förmlich zu Füßen legen. Doch mit der Realität haben diese Worte nichts zu tun.

Politisch Aktive, die dem Thema Migration und Seenotrettung voller Ablehnung gegenüberstehen, stacheln die Medien und die Öffentlichkeit immer wieder an, diesen Menschen auf ihrer Flucht nicht zu helfen. Ihnen nach Möglichkeit jede Aufnahme zu verweigern und sie eher ertrinken zu lassen, als sie zu retten. In was für einer Welt leben wir, fragt man sich, wo Menschen sich ernsthaft mit so einer Aussage in die Öffentlichkeit trauen? Was wäre, wenn ihre eigenen Kinder, Frauen oder Ehemänner auf einem dieser Boote sitzen würden – würden sie lebensverachtende und grausame, ja unmenschliche Worte wie diese auspacken, wenn es um ihre eigenen Liebsten ginge?

Nein, es ist die ekelhafte Haltung, sich selbst über Fremde zu erheben, die wir hier sehen. Die Fremden sollen ruhig ersaufen, uns geht’s ja gut. Doch das, liebe Freundinnen und Freude, werden wir hier niemals hinnehmen. Das ist eine zu verachtende, eine beschämende und unwürdige Haltung, die wir verurteilen. Genauso verurteilen wir die Waffenexporte der Bundesrepublik, durch die wir selbst dieses Übel mitverursachen. Wir verurteilen die Profiteure jeder Kriegstreiberei, durch die Menschen zu Kriegsopfern und zu Heimatlosen werden. Wir stehen auf gegen die strafrechtliche Verfolgung jener Kapitäne und Besatzungen, die ungeachtet der persönlichen Gefahren weiterhin Leben retten und denen dafür der Prozess gemacht werden soll. Für ihre Menschlichkeit dürfen und sollen diese tapferen Menschen nicht bestraft werden.

Wir dulden es nicht, dass man Menschen sterben lässt, nur weil sich mit ihnen vielleicht nichts verdienen lässt. Oder weil ihre Haare nicht blond und ihre Augen nicht blau sind! Wir wollen ihnen helfen, ganz gleich auf welchem Flecken Erde sie geboren wurden, denn sie haben es genauso verdient wie wir, dass es ihnen gut geht. Dass sie als Menschen behandelt werden, mit Respekt und mit Würde. Dass sie etwas zu essen haben und nicht um ihr Leben fürchten müssen. Wir sagen JA zu sicheren Häfen, JA zur Seenotrettung und JA zur Aufnahme von Geflüchteten. Wir stehen für die Seebrücke, für die Seenotrettung und für sichere Häfen!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zur Seebrücke und zur Seenotrettung, 02.12.18.

Gedenken für den Frieden.

Wir gedenken am Volkstrauertag den Gefallenen, den getöteten Menschen zu Zeiten verschiedener Kriege. Ebenso halten wir inne im Gedanken an Menschen, die von Umständen wie Krieg und Vertreibung genötigt aus ihrer vertrauten Umgebung flüchten und geliebte Orte und Menschen zurücklassen mussten. Wir erschauern oder erstarren sogar für Momente in Anbetracht der Härte und der Widrigkeiten, welche die Betroffenen erleiden mussten. Nachfühlen können es nur jene und jener, die diese Umstände am eigenen Leib erlebt haben. Wir fühlen mit ihnen.

Wir entstammen einem Land der Dichter und Denker. Viel Großes und Beeindruckendes haben die Töchter und Söhne unseres Landes geschaffen, das der Menschheit zu großem Nutzen gereicht. Doch ebenso waren wir in Kriege und Konflikte verwickelt, denen viele traurige Schicksale zuzuschreiben sind. Schicksale, die uns in unserer persönlichen Betroffenheit berühren. Wenn ich auf die Vergangenheit meiner eigenen Familie blicke, ist mir dieses Leid präsent. Beide Großväter starben infolge ihrer Kriegsverletzungen, wenn auch erst viele Jahre nach Ende jenes Krieges.

So hat sicherlich nahezu jede mit ihrer Historie tief in diesem Land verwurzelten Familie eine solche Geschichte zu berichten. Das Erschreckende ist: sie sticht nicht notwendigerweise hervor, denn es gibt so viele dieser Erzählungen über Mütter und Väter, über Töchter und Söhne, die der Unbarmherzigkeit der kriegerischen Gewalt zum Opfer fielen. Wie damals auch in Deutschland, so toben heute offene Konflikte in vielen Gebieten auf unserem Planeten. Uns, den Menschen als universelle Gemeinschaft, ist es noch nicht annähernd gelungen, diese Konflikte grundsätzlich anders zu lösen.

Wir hören von ergreifenden und verstörenden Lebenswegen von Menschen, die aus anderen Ländern zu uns geflüchtet sind. Die Verwundete oder Tote beklagen, ebenso den Verlust ihrer Heimat, die Ermangelung einer lebenswerten Perspektive für sich selbst, für ihre Kinder und Enkelkinder. Sie wären oftmals lieber zuhause geblieben, als sich in eine ungewisse Zukunft in die Fremde aufzumachen, fern von allem Vertrauten und dem, was man sich aufgebaut hatte. Im Sinne dieser Menschen wie auch zugunsten aller Menschen sind entscheidende Veränderungen notwendig.

Mit dem Wissen um die Beschädigungen, die wir dem eigenen Geschlecht, der Menschheit und unserer übergeordneten Heimat, der Erde, zugefügt haben, muss es unser aller Ziel sein, die Kriege zu beenden. Die Gewalt, die Vertreibung, das Sterben in kriegerischen Konflikten zu beenden. Wo der Dialog zwischen Gruppen oder Staaten nicht ausreicht, müssen neue Wege gefunden und Strategien erarbeitet werden, um auf nicht-militärische Art zu Ergebnissen zu kommen. Dazu müssen die Tage der Waffenexporte ebenso enden wie das Festhalten an militärischen Lösungen.

Zugunsten dem Wohl zukünftiger Generationen muss es unser Bestreben sein, unsere Auseinandersetzungen nicht mehr auf dem Schlachtfeld zu führen und dabei das Leid Unbeteiligter hinzunehmen. Da wir heute, am Volkstrauertag, jenen geliebten Menschen gedenken, die durch die Sprache des Krieges umkamen, liegt es an uns ein Zeichen für den Frieden und gegen den Krieg zu setzen. Es liegt an uns, den Volkstrauertag zukünftig nicht nur als Gedenktag mit Blick auf die Vergangenheit zu verstehen. Vielmehr auch als Symbol dafür, zukünftigen Generationen gleich welcher Herkunft das Leid des Krieges zu ersparen.

Ein Kommentar von Frank Ramson zum Volkstrauertag, 18.11.18.

Wo Gestaltende gefordert sind.

Marina hat zwei kleine Kinder. Sie ist 27 Jahre alt, seit einigen Monaten in Deutschland zuhause und kam ohne Mann, ohne Zeugnis und ohne Perspektive auf einen Job aus einem Nicht-EU-Land hierher. Sie spricht und versteht kaum die Landessprache, ihren Kindern kann sie daher nur die Muttersprache beibringen. Marina sucht nach Wegen zu einer guten, gesellschaftlichen Integration.

Die Hürde, die ihr vor allen anderen immer wieder begegnet, ist Geld. Ob es dabei um die Lebensmittel, die Ausstattung der Wohnung oder die Kleidung ihrer Kinder geht, ist zweitrangig. An allen Ecken und Enden reicht es nur fast zum Nötigsten. Trotz der Unterstützung durch Ämter, die Vermittlung in Grundbausteinkursen und der Hilfe eines lokalen Fördervereins merkt sie, es geht kaum voran. Zu eng sitzt das Korsett der Kosten, zu gering ist der Spielraum an Budget und somit scheiden viele Möglichkeiten aus, sich individuell unterstützen zu lassen.

Gerne würde sie mehr an der Sprache arbeiten und nebenher auch an ihrer Gesundheit. Immer wieder hat sie mit Belastungsstörungen zu kämpfen und hadert mit ihrer Konzentrationsschwäche. Ihre Frustrationstoleranz müsste schon der Kinder wegen aufgearbeitet werden, von den Ursachen ihrer Migräne will sie gar nicht erst anfangen. Doch für das jüngere Kind sieht es in Ermangelung lokaler Kapazitäten schlecht aus mit dem Kita-Platz. Der Ältere benötigt täglich Hilfe, die schon beinah dem Format der Ganztagsbetreuung gleicht. All das deckt Marina nach Kräften ab.

Freunde hat sie keine, denn die Umgebung bleibt neu und fremd, da die Integration schwer fällt. Einige Verwandte hat sie schon, jedoch leben diese nicht in diesem Land. Neben der mangelnden Unterstützung bei der Bewältigung täglicher Aufgaben fehlt Marina außerdem eine Schulter zum Anlehnen und ein paar Ohren, die ihr mit einer erwachsenen Geisteshaltung zuhören. Sie betet und wünscht sich, ihre Hoffnungen würden erhört.

Dabei erhofft sie sich Gottes Wink an die Kräfte der Politik, sie zu unterstützen. Doch vielleicht ist dafür gar keine überirdische Kraft vonnöten. Viel mehr sollte es Teil des Grund- und Selbstverständnisses sein, als aktiv wirkende und gestaltende Kraft in der Politik über ein Gefühl und ein Auge für Menschen zu verfügen, diese Dinge zu erkennen und zu verstehen. Diese Entwicklungen zu analysieren und im positiven Sinne zugunsten unserer Gesellschaft zu beeinflussen. Den Dingen vorauszuwirken und nicht erst dann hinterherzulaufen, wenn der Schaden bereits tief geht und große Anstrengungen notwendig sind, ihn wieder zu beheben. Denn Ausbaden muss es sonst am Ende die Bevölkerung.

Wir müssen unserer Aufgabe der gestalterischen Verpflichtung zugunsten aller Menschen in Kreis, Land und Bund mit Bedacht, Obacht und doch zugleich mit Handlungsstärke begegnen, um uns für die Herausforderungen der Zukunft angemessen vorzubereiten und jenen, die von diesen Strukturen profitieren, den Zugang so einfach wie möglich zu eröffnen. Dafür lohnt es sich immer, am eigenen Tellerrand vorbei zu schauen, wo Handlungsbedarf besteht und wie man diesen effektiv und nachhaltig mit effizienten Lösungen bedient. Wir werden uns stets dieser Herausforderung stellen!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu sozialen Handlungsbedarfen, 04.11.18.

Wenn die Luft zu dick wird.

Manche Firmen sind verbraucherfreundlicher als andere. Umweltfreundlicher, preisorientierter, qualitätsorientierter oder durch freundlichere Bedingungen im Umgang mit Kunden überzeugender. Diese Liste könnte man immer weiterführen und es würde sicher nicht langweilig. Viele Firmen bringen unserer Gesellschaft viel Gutes und wir sind dankbar, dass wir sie haben.

Doch kommen wir nun zu denen, die es nicht so gut meinen. Jenen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus jedem Menschen und aus jedem Ding so viel Umsatz oder Rendite herauspressen wollen, bis es nicht mehr herauszupressen gibt. Jenen, die sich nicht um die Nöte und Belange anderer Menschen und ihre individuellen Situationen kümmern wollen. Die eher Kunden verlieren als Zugeständnisse zu machen bereit sind, selbst wenn sie im eigenen Leistungsangebot jämmerlich versagen oder versagt haben. Zu jenen, die Dinge nicht anders darstellen wollen als zum eigenen Vorteil.

Nehmen wir den Abgasskandal und die beschämenden Versuche der Hersteller in der Automobilindustrie, den Halterinnen und Haltern von Dieselfahrzeugen mit leicht zu durchschauenden Taschenspielertricks auf Teufel komm raus andere Autos andrehen zu wollen anstatt angemessen zu korrigieren, wo sie auf übelste Weise versagt und die eigene Kundschaft plump um die Wahrheit betrogen haben. Und das nicht nur einmal. Wo man lieber einen weiteren Betrug inszeniert, anstelle sich der Fehler zu bekennen und um die Kundentreue zu kämpfen.

Nein, auf jener Entscheiderebene, wo es um die Wahrheit und die Moral äußert schlecht bestellt ist, verdirbt man bevorzugt weiterhin die Lungen von Mensch und Tier und natürlich die Umwelt. Eine Nachbesserung der offen gelegten Fehler auf eigene Kosten versucht diese Entscheiderebene mit widerlichen Ansprüchen zu vermeiden. Beispielsweise mit dem Vorschlag, die Nachbesserungen sollten eher die Steuerzahlenden begleichen. Das allein vorzuschlagen, ist eine Bankrotterklärung jeden Anstands.

Wer selbst in einem Skandal wie diesem als Kundin oder Kunde betroffen ist, Betroffene kennt, wer mitdenkt und mitfühlt ist an dieser Stelle aufgerufen, sich dieses abscheuliche Verhalten nicht länger bieten zu lassen. Keiner dieser Hersteller verdient es, weiter durch Abverkäufe unterstützt zu werden, so lange dieser Hersteller sich nicht zu seinen Pflichten bekennt, Manipulation unterbindet statt fördert und die Abgaswerte einhält. Er verdient vielmehr saftige Klagen und öffentlichen Druck, bis sich dieses Verhalten ändert und der Sumpf des Betrugs ebenso ausgetrocknet wird wie der lächerlich absurde Umgang mit der eigenen Kundschaft. Ein faires, angemessenes Verhalten ist gefragt und wird sicher belohnt, wenn es gezeigt wird.

Die flexible Mobilität ist heute für viele Menschen eine Grundvoraussetzung für den Erwerb des Lebensunterhalts. Gegenwärtigen und zukünftigen Generationen ist sehr zu wünschen, dass wir den Übergang von fossilen Brennstoffen zu sauberer Energie so bald wie möglich erreichen und uns nicht mehr über angeblich saubere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ärgern müssen, bei denen uns eine giftige Schummelpackung angedreht wird. Unsere Zukunft müssen wir gemeinsam zugunsten nachfolgender Generationen so umweltfreundlich und sozial wie möglich gestalten, denn unsere Kinder und ihre Kinder haben ein gesundes und gutes Leben verdient. Wir werden nicht müde, um diese Zukunft zu kämpfen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu Herstellern in der Automobilindustrie, 21.10.18.

Manche Gleichgültigkeit ist nicht mehr bezahlbar.

Die Gleichgültigkeit hat viele Gesichter. Sie ist ein mögliches Resultat einer getroffenen Entscheidung. Sie ist zugleich eine Haltung, ein Laster, eine schambehaftete Fluchtmöglichkeit.

Nehmen wir den Umweltschutz anhand eines kleinen Beispiels. Ein benutztes Papiertaschentuch liegt an der Bushaltestelle neben dem Abfalleimer. Wer bückt sich und hebt es auf? Niemand. Der Faktor des Ekels ist zu hoch, die Suche nach Alternativen des Direkts-Anfassens auf die Schnelle zu kompliziert zu lösen. Man sagt sich also, das Teil zersetzt sich durch Umwelteinflüsse irgendwann sowieso und selbst hingeworfen hat man es ja auch nicht. Haken dran und weggeguckt. Und bei der leeren Plastikverpackung, die ein paar Meter weiter herumliegt, grübelt man gar nicht erst. Egal.

Mit dieser Haltung addiert der Mensch mit dem gleichgültigen Blick kontinuierlich eins zum anderen. Die Gleichgültigkeit wächst unterbewusst mit jeder Aktion wie dieser weiter an, das Verantwortungsbewusstsein schwindet vor sich hin. Was von dieser Situation übrig bleibt, ist allerdings auch die wichtige Frage: warum war die Person, die das Taschentuch benutzt hat, nicht in der Lage es direkt in den Abfalleimer zu werfen? Die Antwort darauf ist häufig eben jene Haltung des „Egal“-Denkens, die andere Personen bewegt, den fremden Abfall einfach auszublenden.

Jeden Tag beobachtet man Menschen, denen es schlechter geht als einem selbst. Ein Hoch auf jene, die das nicht als Triumph, sondern als Handllungsaufforderung zu solidarischem Verhalten betrachten. Doch oftmals ist es anders. Über obdachlose Menschen, die um Hilfe bitten, wird gelacht und gegen sie gepöbelt. Im schlimmsten Fall werden sie beraubt, verprügelt oder sogar getötet. Hier ist die Gleichgültigkeit bei Einigen sogar zu einem anderen Extrem pervertiert.

Gleichfalls sind es Situationen, wo Gewalt gegen Einzelne angewendet wird und die Menschen drum herum, von denen sich die Einzelperson Hilfe erhofft, weggucken. Sich möglichst schnell aus dem Staub machen, um nichts damit zu tun zu haben. Unter einem bestimmten Gesichtspunkt kann sich diesen Verzicht auf Zivilcourage niemand leisten, denn jeden kann es treffen. Man selbst oder die eigenen Liebsten können jederzeit in diese Situation geraten und dann selbst Hilfe brauchen.

So wie hier anhand der Beispiele dargestellt, zieht sich der Faden der Beschädigungen, die durch gleichgültiges Handeln entstehen, durch die Politik und die Kulturen. Die Verantwortung für den Umgang von Menschen mit anderen Menschen und mit der Natur kann jede Person lokal vor Ort und viral im Netz beeinflussen. Der Umweltschutz geht uns alle an. Wer in einer besseren Welt leben möchte, sollte sich an die eigene Nase fassen und zusehen, sie auch selbst besser zu machen.

Denn wir müssen uns gegenseitig und unseren Planeten beschützen, um nicht vor die Hunde zu gehen. Treffend wurde mal gesagt, blieben die Guten untätig, würde das Böse siegen. Sei es das Aufkeimen des Faschismus, die schleichende Zerstörung unserer Natur zum Vorteil Einzelner oder das Verblassen unseres Menschseins, da uns alles egal geworden ist. So darf es niemals sein und dafür lohnt es sich, zu kämpfen. Manche Gleichgültigkeit ist heute schlicht nicht mehr bezahlbar.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“, 07.10.18.

Manche Gleichgültigkeit ist nicht mehr bezahlbar.

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Was ich nicht missen will.

Letzthin haben sich für mich einige Umstände geändert und das ist gut so. Andere will ich nicht verändern und bin bereit, darum zu kämpfen, dass diese Dinge so bleiben wie sie sind.

Wenn ich am Montag aufstehe, treibt mich die Uhr an. Am Dienstag ist es anders. Da habe ich morgens viel Zeit. Nach einem Kaffee und einer Dusche schlendere ich in ein nahe gelegenes Waldstück und erfreue mich der Natur, der Stille und der guten Luft. Manchmal sehe ich Tieren zu, die nach Nahrung suchen oder schlicht umherwandern. Emsigen Vögeln, die hohe Nester bauen und Kaninchen und Eichhörnchen, die sich auf der Wiese tummeln. Sportliche Menschen zischen auf leisen Sohlen vorüber oder pausieren an der alten Holzbank mit Blick auf einen still ruhenden See.

Auf dem Rückweg gehe ich eine andere Route entlang und komme an ein paar kleinen Läden vorbei. Dort sage ich Magda, dass die neue Dekoration im Schaufenster toll aussieht, die sie mit ihren Angestellten Heinz und Melek ausgetüftelt und mühsam aufgebaut hat. Ihr Mann Juri pflichtet dem bei. Ich grüße Frau Garcia Lopez auf ihrem Balkon, die in Schürze und Kopftuch gekleidet gerade den Haushalt auf Vordermann bringt. Im Erdgeschoss sitzen Kevin, Amir und Dario auf der Veranda vor der Eisdiele. Der Eismann Herr Olumahandi winkt mit einer Eistüte in der Hand.

Und dann beginnt mein Tag zum zweiten Mal, allerdings mit einer ganz anderen Qualität als am Montag. Warum ich Ihnen das erzähle? Es ist ganz einfach. Kleine und doch elementare Höhepunkte des Tages für einen einfachen Menschen laufen nicht mit Hollywood-Hochglanz ab. Man erkennt sie bei diesem Beispiel an den Merkmalen der Entschleunigung, des Stressabbaus und der Regeneration. Dafür sind kein Wellness-Wochenende und kein Kurs notwendig, sondern vielmehr die grundsätzlichen Eckpfeiler jener Realität, die wir selbst für uns geschaffen haben.

Ein Leben im Einklang mit der Natur. Es klingt wie ein unrealistischer Slogan, wenn man sich die eben erwähnte Realität anguckt, aber der Anspruch ist so alt wie das menschliche Denken selbst. Zweifellos gilt das nicht für alle Menschen, doch erfreulicherweise für viele. Wie wertvoll das Erhalten der Natur um ihrer Selbst willen und zugunsten von Mensch und Tier ist, lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken. Leider bilden Zahlen ab, wie lukrativ die Ausbeutung und Zerstörung dieser Natur ist. Wenige befürworten und tun das, und doch bleibt die Profitgier hier ein riesiges Problem.

Das gute Leben in einer multiethnischen Gesellschaft. Wenn man sich die Probleme auf unserem Planeten anschaut, richten manche Menschen direkt den Blick auf nationale Belange und neigen zu schnellen Urteilen. Manche Menschen verspüren größere Ängste vor Veränderungen als andere. Dennoch bleibt es unverzichtbar, solidarisch mit anderen Menschen umzugehen. Sei es in der Nachbarschaft, auf dem Mittelmeer, selbst über Kontinente hinweg. Es gilt, Leid zu lindern und Unrecht zu bekämpfen. Ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe, Religion oder der sexuellen Identität.

All das ist ein Teil meines Lebens. Ich will weder diesen schönen, kleinen Wald missen noch meine internationale Solidarität oder diese großartigen Menschen auf meiner Morgenroute. Ganz egal, was manch Andere sagen, gerne hätten oder vorhaben.

Es ist Zeit, an jedem Fenster und auf jeder Straße Flagge zu zeigen. Als demokratische Gemeinschaft, die aufsteht gegen Hass und Hetzjagden, gegen Gewalt und Intoleranz.

Die einsteht für Toleranz, Solidarität, für soziale Gerechtigkeit und für den Umweltschutz. Für eine Welt, in der wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu multiethnischer Toleranz und zum Umweltschutz, 23.09.18.

Das regelt der Markt.

Eine Faustregel macht dieser Tage immer wieder die Runde. Wenn es um unliebsame Themen wie die Knappheit bezahlbarer Wohnungen für Geringvermögende geht, werden manchen Menschen die Worte knapp. Will sich der zuständige Amtsträger an Themen mit so hohem Reizpotential nicht die Finger verbrennen, stiehlt er sich aus der Verantwortung mit Phrasen wie: das regelt der Markt!

Haben sie sich schon einmal auf den Markt verlassen, als sie eine Anfrage für eine Mietwohnung abgeschickt haben? Wenn ja, dann will man ihnen nur wünschen, dass der Markt darauf positiv geantwortet hat. Denn auch wenn man darauf hoffen mag, dass sich hinter diesem gesichts- und namenlosen Neutrum ein mit Verständnis und Umsicht wirkender Mensch befindet, der alsbald antwortet, versickern diese Anliegen doch oft genug in den namenlosen Weiten jenes Marktes.

Passiert dies, wird denen, die dringend günstigen Wohnraum benötigen, schnell der finanzielle Atem knapp. Hier teilt sich die Masse der Suchenden in die, denen das Jobcenter oder das Sozialamt noch mögliche Optionen bieten, wenn denn welche auf dem Markt vorhanden sind. Und in jene, die mehr oder weniger knapp über der Bemessungsgrenze für Leistungen liegen, also die gerade eben zu viel verdienen, um Ansprüche auf Unterstützung von diesen Ämtern zu haben.

In beiden Ausgangslagen ist die vorliegende Situation deprimierend und unsäglich. Denn wer sind wir, die Menschen in einem der reichsten Länder der Erde, wenn wir unseren Ärmsten und wirtschaftlich Schwächsten nur einen abgewetzten Schuhkarton im zwölften Stock oder gar die Notunterkunft oder das Obdachlosenasyl anbieten, obwohl es bei weitem zu mehr für alle reicht. Reichen muss und auch reichen kann, wenn die Bereitschaft dazu auch wirklich vorhanden ist.

Jene, die Wohneigentum verwalten und vermieten und natürlich die Wirkenden in der Politik sind hier gefordert, Verantwortung zu übernehmen und die wirtschaftlich Schwachen zu stärken. Tun sie das nicht, wird auch dadurch die soziale Spaltung weiter zunehmen und irgendwann kaum mehr jemand übrig bleiben, an dem sich auf dem Markt etwas verdienen lässt. Verknüpft mit der Gewissheit, wer es zugunsten kurzfristiger Profite mitverursacht hat, anstatt es zu verhindern.

Wenn hier Gerechtigkeit erneut Einzug halten soll, sind die Betrachtung und Handlungsbereitschaft nicht mehr nur auf die Bedürfnisse der Märkte auszurichten, sondern viel mehr auf die Bedürfnisse der Menschen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zur Wohnsituation in unserer Gesellschaft, 09.09.18.

Das regelt der Markt.

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Ein Pfand für alle.

Diese Geschichte handelt von Eva. Erzählt wird aus dem Leben einer Frau, die auch Helga oder Karen heißen könnte. Als ich sie erstmals sah, saß sie im Eckbereich der Terrasse eines Kaffeehauses. Fein gemacht in heller Bluse und grauem Rock, aß Eva ihren Apfelkuchen mit Sahne und trank Kaffee mit Milch und zwei Stück Zucker. Ihrer Nachbarin am Nebentisch erzählte sie gerade, dass sie trotz stolzer 64 Lebensjahre noch immer einen besseren Job mache als diese jungen Dinger, die eines Tages in ihrem Büro schalten und walten würden. Während sie sprach, rümpfte sie die Nase und legte die Stirn in Falten. So verliefen sie meist, die Gespräche an ihrem Tisch. Auch wenn die Tischnachbarin weitaus seltener in diesem Café verweilte als es Eva tat.

Zwischendurch schweifte man ab, verlor sich in Gedanken und betrachtete die Menschen. Manche schlenderten bummelnd umher, andere wirkten eher gehetzt. Eva beobachtete schließlich eine Frau in ihrem eigenen Alter, die einen Einkaufstrolli hinter sich her zog und gemächlichen Schrittes die Einkaufsstraße passierte. Beim Anblick der abgetragenen, grauen Strickjacke und der ausgeblichenen Hose der Frau mit dem Trolli wandte Eva den Blick harsch wieder ab. Ein paar Sekunden später sah sie aus dem Augenwinkel, dass die Hand der Frau mit dem Trolli in einem öffentlichen Abfallbehälter verschwand. Momente darauf kam eine leere Plastikflasche zum Vorschein, nach jener die Hand gegriffen und sie aus dem Müllbehälter geborgen hatte.

Da brach die Abscheu aus Eva heraus. Sie sprach im erzürnten Ton vom schamlosen Herumwühlen im Abfall anderer Leute, was manche wohl als ganz normal empfänden. Von der Inkompetenz dieser Betreffenden, da sie nicht mit Geld umgehen könnten. Und nicht zuletzt von mangelndem Anstand und davon, nach außen hin doch bitte stets das Bild zu wahren. Es seien eben doch nicht alle Menschen gleich – manche Menschen wären doch gleicher als andere. Ihre Tischnachbarin lauschte der Tirade von Eva, ohne sie direkt anzusehen. Erwidert hatte sie nichts. Die Frau mit dem Trolli zog derweil weiter und verschwand behäbigen Schrittes hinter einer Häuserecke. Bald ging auch die Tischnachbarin und es dauerte einige Wochen, bis Eva sie wieder im Kaffeehaus antraf.

So vergingen die Tage. Eva wurde bald in den Vorruhestand verabschiedet, obwohl sie selbst es von allen Beteiligten am wenigsten wollte. Nun hatte sie viel Zeit, auch in Kaffeehäusern andernorts die ausgelegten Zeitungen zu studieren und nebenher die Menschen um sie herum zu beobachten. Da fiel ihr auf, dass die Beobachtung zu der Frau mit dem Trolli keiner Seltenheit entsprach. Viele Männer und Frauen aus ihrer Generation sammelten Pfand, suchten die Ausgabefächer für Münzen von Automaten an Bahnhöfen mit den Fingern ab oder waren sich selbst des offenen Bettelns nicht zu schade. Als Eva in einem auswärtigen Café eine Gruppe Männer und Frauen beobachtete, die orangene Westen trugen und mit Greifgeräten Abfälle sammelten, stockte ihr der Atem.

Am Nachbartisch rief einer spöttisch laut aus, da käme die Ein-Euro-Job-Karawane. Inmitten dieser Gruppe erkannte Eva die Tischnachbarin aus ihrer Gemeinde. Sie schluckte und ihr verging der Appetit auf Apfelkuchen mit Sahne. Sie begann, sich zu fragen, ob sie es sich mit manchem Urteil nicht zu leicht gemacht, die Dinge zu oberflächlich betrachtet hätte. Und ob ihre Tischnachbarin aus der Gemeinde sich den Besuch im Café vielleicht nur ein Mal im Monat leisten könnte. Wie gefühllos, so fern jeden Respekts und abscheulich es von Eva gewesen sei, sich derart abwertend über andere, ihr fremde Menschen zu äußern. Von nun an würde Eva anders über jene Menschen und ihre Nöte denken und sie spürte das dringende Bedürfnis, sich zu entschuldigen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu Armut, Demut und Scham in unserer Gesellschaft, 26.08.18.

Ein Pfand für alle.

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Warum es an der Zeit ist, nachdrücklich für mehr Klimaschutz zu kämpfen.

Wer in den letzten Wochen im Angesicht tropischer Temperaturen im norddeutschen Raum verwundert aufstöhnte, war damit nicht allein. Die Werte erreichten täglich neue Rekordmarken und mancher fragte sich bereits, ob auch bei uns lebensbedrohliche Klimaspitzen eintreffen könnten, wie sie zuletzt in Japan zu beobachten waren. Während die Menschen zahlreich an die Badeseen strömten, verzweifelten die Landwirte angesichts trockener Böden und verdorrter Ernten. Bundesweit machte sich darüber hinaus die Sorge breit, durch sinkende Grundwasserpegel könnte schon bald der vorerst letzte Tropfen manchen Wasserhahn verlassen. Vielerorts wurde die Bewässerung der Gärten stark reduziert oder eingestellt.

Die Klimaerwärmung ist auch bei uns Norddeutschen angekommen, daran besteht kein Zweifel mehr. Ob im Kern vom Menschen verursacht oder begünstigt, ist der Zeitpunkt mehr als deutlich erreicht, für mehr Klimaschutz zu kämpfen, wo wir die Möglichkeit haben, Einfluss zu nehmen. Das Roden von Wäldern, das Vergiften der Gewässer und das Verderben der Luft sind nur einige Beispiele, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Der Ausstoß von Schadstoffen, mit dem allen voran die Industrie, die Massenviehzucht und die Hersteller von Kraftfahrzeugen durchgekommen sind, muss massiv reduziert werden, auch wenn es Kosten und nervenaufreibende Kämpfe bedeutet.

Die Wertschätzung für saubere Luft, giftfreie Gewässer und eine rücksichtsvolle Behandlung natürlicher Ressourcen müssen uns nach dem eigenen Menschenverstand und im Hinblick auf zukünftige Generationen wertvoller sein als kurzfristige Gewinne, hohe Renditen und Machtgelüste. Es sollen vielmehr genau diese Kinder und Enkelkinder sein, an denen man sich erfreut. Glücklich und gesund sollen sie sein und faire Chancen sollen sie haben. All das darf ihnen nicht verbaut werden, weil wir ihnen einen ruinierten Planeten hinterlassen haben. Weil wir der Meinung waren, jeder Mensch hätte seinen Preis. Dass dieses Angebot „jeder“ angenommen hätte.

Am Ende sind es nur wenige Schlüsselpersonen, die über die Zukunft vieler Menschen hinweg Entscheidungen treffen. Diese fallen entweder zugunsten des persönlichen Vorteils oder zum Wohle vieler Menschen aus. So ist an jede Einzelne und an jeden Einzelnen zu appellieren, über das eigene Bestreben hinaus die Auswirkungen im Blick zu behalten, wofür oder wogegen man sich stark macht. Ich zähle sehr darauf, dass es viele Menschen für unsere Erde tun.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zur Zerstörung ökologischer Systeme, 12.08.18.

Warum es an der Zeit ist, nachdrücklich für mehr Klimaschutz zu kämpfen.

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Wie manche Menschen jeden Anstand über Bord werfen.

Man hört es im Bus, in der Bahn, am Kaffeestand oder auf der Terrasse vom Lieblings-Café. Immer häufiger kommen Menschen zusammen, die sich nach dem „Hallo“ und „Alles gut?“ ungeniert und lauthals zu einer Hetzerei aufmachen, bei der Zuhörern an den Nebentischen ganz anders wird. Ob es im Ursprung um die Özil-Debatte, um die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, um das Thema Grenzen in Europa oder um andere ähnliche Themen geht, ist eigentlich schon fast nebensächlich. Menschenverachtende Kommentare, die man vormals nur als Stammtisch-Sprache der übelsten Sorte wahrnahm, werden heute fälschlicherweise als salonfähig missgedeutet. Als sei das normal.

Das primitive und von abwertenden Klischees durchtränkte Hetzen in Wort, Mimik und Gestik zeigt eine schockierende Verrohung auf. Der Anstand mancher Menschen scheint ebenso völlig verloren gegangen oder ausgeblendet worden zu sein wie deren Mitgefühl. Festgemacht an Einzelnen werden ganze Volksgruppen beleidigt, in Verruf gebracht und in der Öffentlichkeit gebrandmarkt. Die Wortgewalt steigert sich, wenn niemand widerspricht. Plötzlich hält jemand eine auf wirren Vorurteilen aufgebaute Hetzrede im Café oder im Bus, die inhaltlich zumindest einen Teil der Anwesenden auf das Übelste beleidigt und abwertet. Doch steht jemand auf und stellt sich dagegen?

In der Realität passiert das viel zu selten. Eher wird die Tugend gebeugt, neben allen anderen doch bitte auch mit dieser Meinung tolerant umzugehen. Doch das ist ein Widerspruch in sich, denn wer hier spricht, steht für ein Ende der Toleranz, wie wir sie kennen. Wer hier spricht, stellt sich gegen die Empathie, Hilfsbereitschaft und Solidarität. Wenn man sich das mal genau überlegt, ist das ein Angriff auf uns alle, die eine tolerante Gesellschaft erhalten wollen. Verpackt in eine miese Verkleidung, doch nur alle beschützen zu wollen, die seit jeher in Deutschland lebten, ist es um so mehr ein Angriff auf die Seele dieses Landes, verächtlich gegen andere Menschen zu hetzen.

Darum ist es in Zeiten wie diesen um so wichtiger, klar Position zu beziehen und der eigenen Stimme Ausdruck zu verleihen. Wir sind oder waren zumindest mal eine Nation des Anstands und der Solidarität, und wir werden durch unsere Präsenz und mit unseren Stimmen darum kämpfen müssen, die Tugenden und Werte zu verteidigen, die uns allen als unverzichtbare Grundwerte bewusst sein sollten. Ganz gleich, wo ein Mensch geboren ist, woher der Weg dieses Menschen führte und wohin er verlaufen wird: Jeder Mensch hat es im Grundsatz verdient, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Das und nichts anderes ist normal. Daran hat sich nichts geändert!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zur Veränderung unserer Gesellschaft, 29.07.18.

Wie manche Menschen jeden Anstand über Bord werfen.

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