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POLITIK

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Was wir haben

Immer wieder sonntags #23

In einer Redewendung heißt es, der Mensch glaubt, was er sieht. Das, was man anschauen und bestenfalls sogar anfassen oder mit weiteren Sinnen erfassen kann, empfinden wir eher als überzeugend als nicht weltliche oder schlicht nicht so einfach sicht- oder greifbare Dinge. Dementsprechend gleicht unser Gehirn gerne ab, was uns bekannt ist und was nicht.

Denn wir wollen Dinge gerne verstehen, so ist der Mensch halt. Meistens zumindest. Bei manchen Themen mehr als bei anderen. Dreht es sich um Inhalte außerhalb des eigenen Wohlfühlens, kann es allerdings schon mal unübersichtlich werden mit dem Verstehen. Erst recht, wenn es unangenehme Themen sind, die man nicht so einfach sehen oder anfassen kann.

Denn vielleicht will man das ja auch gar nicht. In einem Film habe ich mal das Zitat aufgeschnappt „Unwissenheit ist ein Segen“. Fragt sich nur, für wen? Wir können es uns bei sehr vielen Themen ansehen, wenn wir denn genau hinsehen wollen. Zweifellos verausgaben wir uns hier eher auf der Ebene von Vorstellungen als auf jener von Greifbarem wie Gegenständen.

Nehmen wir die Massentierhaltung. Klar finden es irgendwie alle schlimm, dass es so etwas gibt. „Schrecklich“, sagt der wenig auf die Herstellung seines Gerichts fixierte Gast, der im Restaurant das Schweinenackensteak verspeist und beim Thema Schweinehochhaus nicht stutzig wird, welche Industrie er da eigentlich selbst gerade unterstützt.

Beim Rinderburger im Fast-Food-Restaurant oder an der Sushi-Bar ist es nicht viel anders. Kommen im Gespräch Begriffe wie Antibiotika, Methan-Problem oder Gewässerbelastung auf den Tisch, sucht der Verstand den kürzesten Ausweg zum gedanklichen Happy End. Lächelnder Hausarzt, unterirdisch hervortretende Gase zerbrechen Felsen, Feen-Glitzer im Wassergraben. Verstanden, erledigt, guten Appetit.

Doch leider ist es ja eben nicht so einfach. Der Strom kommt nicht aus der Steckdose und wenn man nicht genauer hinguckt, hat man keine Ahnung, wie belastet die Nahrung ist, die man sich einverleibt und ebenso, welchen Schaden das insgesamt anrichtet. Gibt es Workshops zugunsten unverfälschter, ehrlicher Wahrnehmung? Es sollte welche geben.

Auch der Klimawandel ist weder so richtig greifbar noch für viele von uns in Deutschland leicht verständlich. Und doch – sieht man Kundgebungen wie zuletzt durch die Bewegung Fridays For Future, wo sich Kinder unter 10 Jahren von Brücken abseilen (lassen), um für ihre Zukunft zu protestieren, sollte uns zumindest dämmern, dass wir manche Blickwinkel viel zu sehr vernachlässigen.

Denn die Gefahr für zukünftige Generationen durch den Klimawandel ist sehr viel höher und bedeutender als die Gefahren für Einzelne bei solchen Kundgebungen. Es ist sprichwörtlich das Ende der Welt, wie wir sie kennen, das uns droht und das jungen Generationen sehr präsent ist. Wir, die älteren Generationen, haben damit jedoch ein Wahrnehmungs- und Akzeptanzproblem.

Andere sollen wichtiger sein als wir selbst. Für manche Menschen schwer zu verkraften, doch nicht unüberwindbar. Wir erkennen große Zusammenhänge nicht, weil der egoistische Blick das Bild überlagert. Ist leider so. Müssen wir draus lernen, auch wenn es schwer fällt.

Denn unsere Wunsch-Realität voller Fake-Gewissheiten hat ihre Zeit bereits überdauert. Wir müssen genauer hinsehen, wie die Realität tatsächlich aussieht und was wirklich zu tun ist!

Ein Kommentar aus der Reihe Immer wieder sonntags von Frank Ramson zum Thema Scheinrealitäten, 30.06.19.

Die gute Hilde

Immer wieder sonntags #22

Neulich ging ich von der Arbeit nach Hause, als mir eine junge Frau mit dem Fahrrad entgegen kam. Nennen wir sie mal Hilde. Die Gute fuhr wie eine wilde Hilde, ging dann allerdings in die Eisen und blieb am Straßenrand ein Stück weit vor mir stehen und sah mich fragend an. Zuerst war ihr mein Hut aufgefallen, wie sie später sagte, doch das sollte nicht alles sein.

„Bist du nicht der von den Linken?“ fragte sie mich und lächelte. Was das Lächeln, also der Ausdruck des Lächelns wohl zu bedeuten hatte, konnte ich noch nicht recht einschätzen. Doch es machte mich neugierig. Ich stellte mich ihr vor. Denn ja, auch wenn ich nicht „der“ von den Linken bin, bin ich doch definitiv „einer“ von ihnen. Das fand Hilde ganz spannend, denn sie hatte Fragen an mich.

Eigentlich mag sie ja die Linken wegen der sozialen Themen, das schickte sie vorweg. Doch dass wir den Menschen die Häuser unter dem Hintern weg enteignen wollen, würde sie nicht so gut finden. Neuerdings käme dies auch von den Jusos. Von dieser ersten, steilen These war ich überrascht, denn die gute Hilde hatte da wohl etwas falsch verstanden.

Wir Linke sprechen darüber, Miethaien beizukommen um zu verhindern, dass aus der Vermietung von Lebensraum zukünftig ein inhumanes Ausbeutergeschäft gemacht wird. Es ist nicht cool, Familien, Alleinstehenden und Senior*innen diese Preise auf Anschlag zu diktieren und erst recht nichts, wo man im Nachgang mit der Rendite prahlt und nebenbei 90-Jährige auf die Straße wirft.

Wenn die Vonovia´s und Co. das nicht verstehen wollen, hilft am Ende wohlmöglich nur die Überführung dieser Lebensräume an kommunale Genossenschaften gegen entsprechende Entschädigungen an die Wohnungsbaugesellschaften. Nebenbei gesagt, das fiel dann auch Hilde auf, passte ihr Beispiel eher zu einer Enteignung von Privatbesitz durch öffentliche Hand wegen z.B. Autobahn-Ausbauten.

Das nächste Thema, das Hilde unter den Nägeln brannte, war Antisemitismus. Dieser sei ja in der Linken weit verbreitet. Diese These empfand ich als noch überraschender als die Erste. Doch auch hier war Hilde vielleicht einfach nur bedauerlich wenig informiert. Die Linke verbreitet keinen Antisemitismus, im Gegenteil. Wir respektieren Menschen gleich ihrer Herkunft und Religionen.

Weiter kam sie auf die Kommentare Einzelner, sei es auf dem Social-Media-Kanal mit dem F oder die große Video-Plattform mit dem Y. Und wie es so ist in ungeschickten Momenten oder mit aus dem Zusammenhang gerissenen Satzteilen, kann man sicherlich dieses oder jenes so oder so interpretieren, wenn man das möchte. Doch ist das dann auch wirklich aussagekräftig?

Eher nicht. Ich empfahl ihr, sich wie bei einem Hausbau zuerst das Fundament anzusehen, die Basis. Dann von unten nach oben. Von der Website des Kreisverbands mit lokalem Themenbezug über den Landesverband Schleswig-Holstein bis hin zur Website www.die-linke.de und natürlich dazu ein intensives Studium unseres Parteiprogramms. Sie sagte mir zu, es sich anzusehen.

Die gute Hilde wirkte jetzt sehr fröhlich und verriet mir vor dem Abschied, dass sie eigentlich unpolitisch sei oder das zumindest von sich dachte. Doch wegen so vieler Dinge wäre es an der Zeit, sich zu engagieren. Zu viele Menschen würden zu gleichgültig auf Entwicklungen reagieren und für sie selbst komme das nicht mehr als Option infrage.

Darüber freute ich mich und lud die gute Hilde ein, uns im Linken Zentrum Bauerweg zu besuchen. Damit sie sich vor Ort überzeugen kann, wer wir sind und wofür wir einstehen. Dass es auch für sie eine gute Sache ist, sich mit und bei uns zu engagieren. Für eine starke Linke, die für faire Mieten, gegen Diskriminierung und für mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft kämpft.

Ein Kommentar aus der Reihe Immer wieder sonntags von Frank Ramson, 16.06.19.

Das Ende der Scham?

Immer wieder sonntags #21

Neulich ging ich in einem Supermarkt einkaufen und stand nach wenigen Minuten mit meinen vier Teilen an der Kasse. Vor mir war nur eine Kundin dran, abkassiert zu werden. Eine ältere Dame mit Einkaufs-Rolli und leicht verwuschelter Frisur, die ihre Geldbörse nicht finden konnte. Es zog sich einen Moment hin, ehe ihr klar wurde, dass sie das Geld zuhause vergessen hatte.

Da überlegte ich nicht lang und bot ihr an, ihre Rechnung zu übernehmen. Ein jüngerer Mann hinter mir bot sich ebenfalls an, sich zu beteiligen. Doch die Dame in ihrem schlichten Aufzug und mit dem recht übersichtlichen Einkauf lehnte dankend ab, ließ den Rolli mit den Waren stehen und ging ihre Geldbörse holen. „Stolz?“, fragte der junge Mann. „Scham?“, entgegnete ich.

Dazu hatte der junge Mann allerdings eine klare Haltung. „Nein, keine Scham. Guck doch mal, was in der Welt abgeht. Die Zeit der Scham ist lange vorbei.“ Von dieser Ansicht war ich erstaunt. „Kann nicht sein“ war der Satz, mit dem ich mich verabschiedete. Beim Schlendern über den Parkplatz vor dem Supermarkt dachte ich weiter darüber nach. Meinte er das ernst?

Schaut man sich die Welt mal an und auch das, was in dieser Welt abgeht, dann war das wohl sein Ernst. Seine Sicht auf den Lauf der Dinge und den Realzustand. Dennoch wage ich mich zu einer sehr nachdrücklichen Gegenthese, denn wenn die Zeit der Scham wirklich jemals vorbei wäre, würden sich die Verhältnisse heute nicht als jene zeigen, die sie sind?

Es mag sein, dass einem Teil der Menschen, den Gesellschaften oder einzelnen Gruppen die Scham abhanden gekommen ist. Das ist sogar schwer zu übersehen. Um so mehr eine Denk- und Redensart bestimmte Gruppen von Menschen in Güteklassen unterteilt, bestimmte Werte oder Fähigkeiten aufgrund von Herkunft und Abstammung unterstellt oder abspricht. Wer des anderen Menschen „Wert“ deutet…

Ebenso bei der Ausbeutung der Körper und Seelen anderer Menschen, der Ausbeutung von Tieren und der Umwelt. Bei kleinen Dingen fängt es an. Doch die universelle Schlussfolgerung, die Zeit der Scham sei vorüber, ist dennoch grundfalsch. Die Scham kommt nicht daher ohne die Moral, die bestenfalls auch die ungekünstelte Integrität, die Ehre und den Anstand im Gepäck hat.

Wo Menschen miteinander und nicht gegeneinander leben, agieren und vorankommen wollen, da haben all diese Dinge einen hohen Wert. Je näher der Mensch einst aufgrund von Bedürfnissen und Interessen am anderen Menschen lebte, um so klarer war es uns auch. Die in Mode gekommene Plumpheit oder das Verrohen hinter Bildschirmen können und werden uns das nicht wegnehmen.

Smart zugunsten vieler Menschen handeln, sich Mühe geben, mitfühlen und sich engagieren wird niemals bedeutungslos. Ebenso die Scham durch moralisch schmerzliches Versagen. Ob auf zwischenmenschlicher, ethischer oder existentieller Ebene. Durch die Menschlichkeit in unserem Auftritt, unserem Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen wir, wie andere uns wahrnehmen.

Wir beeinflussen dadurch, wer wir selbst sind und wer wir selbst sein werden. Jeder Mensch bastelt jeden Tag an seiner Zukunft, seinem Abbild und Vermächtnis. Es ist niemals zu spät anzuerkennen, dass die grundlegenden Werte unserer Menschlichkeit niemals aus der Mode kommen können. Sie sind die Eckpfeiler des Vergangenen und ein Motor der Hoffnung für unsere Zukunft!

Ein Kommentar aus der Reihe Immer wieder sonntags von Frank Ramson zu moralischen Werten in der heutigen Zeit, 19.05.19.

Wert und Bedeutung

Immer wieder sonntags #20

Mit der Bedeutung ist es wirklich so eine Sache. Jeder hat eine. Eine für alles, für alles eine andere. Was wem wie viel bedeutet, unterscheidet sich stark und das ist gut. Es liegt ja bei jeder/m selbst. Dann kommt das „Aber“. Manche Dinge, viele Dinge, ja fast alle Dinge kann und sollte ein Mensch selbst betrachten, bewerten, einschätzen. Welchen Wert, welche Bedeutung hat was für mich?

Was für die meisten Menschen von Bedeutung ist, scheint logisch. Die Gesundheit, die Familie, die Kinder besonders und auch Faktoren wie Sicherheit, Verfügbarkeit von Nahrung und so weiter. Hier bleibt es noch alles recht übersichtlich, in wie weit Priorisierungen variieren und welche Auswirkungen die Unterschiede für die Allgemeinheit haben. Man kann sagen, sehr übersichtlich.

Das ändert sich schlagartig bei DEM Faktor aller Faktoren. Dem offensichtlich wichtigsten Gut, das alle anderen bei weitem überragt. Ist es wohl die Liebe oder die Zukunft im Einklang mit der Natur? Ist es die Weiterentwicklung der Wissenschaft oder die Perfektonierung anderer Künste? Schön wärs. Leider ist die Antwort vielmehr enttäuschend als alles andere. Es ist einfach nur Geld.

Geld, die Illusion der Allmacht. Der Garant des Gefühls der Überlegenheit. Klar, auch der Stabilisator unserer Bedürfnisse und Interessen. Doch um welchen Preis? Und genau hier ist die Betrachtung erstaunlich unübersichtlich zu unterscheiden, wer was zu welchem Preis zu tun oder zu akzeptieren bereit ist. Es heißt, jeder hat seinen Preis. Was kostet dann wohl das Ende der Welt?

Wer so eine Frage stellt, muss sich allerlei Vorwürfe anhören. Die Vorwürfe jener Menschen, die auf die Relevanz des Geldes in unserer Gegenwart verweisen. Klar, es ist relevant. Doch wie weit darf der Mensch gehen, diese Relevanz über alle anderen Dinge zu stellen? Welche Wunden sind Menschen bereit, sie der Welt zuzufügen, wenn nach ihrem Denken die Bezahlung angemessen ist?

Wir verlieren an Land durch menschgemachtes Handeln aus verschiedenen Gründen immer mehr nutzbaren Boden. Wir überfischen die Gewässer und verderben natürliche Kreisläufe im Meer. Wir vergiften die Luft, zerstören langfristig die Eisflächen an den Polen, rotten dadurch unzählige Spezies der Tiere aus und die meisten von uns raufen sich dennoch aus anderen Gründen die Haare.

Nicht die Verzweiflung über diese Schäden und Fehler sind gemeint. Die Endlichkeit unserer Ressourcen und der Ausschlachtbarkeit unserer Erde machen manche Menschen wütend. Man möchte doch bitte noch viel mehr Wälder roden, Gewässer leerfischen und nebenbei Silberjodit in die Atmosphäre blasen, weil das alles so clevere Renditefüchse ausgeheckt haben.

An dieser Stelle endet die plakative Ironie und weicht einer Feststellung.

Wenn wir die Zukunft unserer Welt jenen überlassen, die sich nur dafür interessieren, wie man was zu welchem Preis ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit ausschlachten kann, haben wir diese mit dem Untergang einer vormals wunderschönen Zivilisation beauftragt. Und zahlen ihnen dafür auch noch gigantische Boni bis zum Tag X.

Wenn wir nicht gegen, sondern zugunsten unserer Zukunft handeln wollen, muss die Neuorientierung schnell und umfassend erfolgen. Die Gesundheit von Mensch, Tier und Planet muss wieder eine angemessene Wertung und Wertschätzung erhalten. Sie muss höher priorisiert werden als kurzfristige Renditen oder Vorstellungen von Einzelnen. Zum Wohle von uns allen.

Kommentar Nr. 20 aus der Reihe Immer wieder sonntags von Frank Ramson zum Klimawandel, 05.05.19.

Wann brennen die Herzen?

Immer wieder sonntags #19

Eine historische Kathedrale in Paris ging in Flammen auf und es folgte ein Aufschrei, der seinesgleichen sucht. Als Notre-Dame in Flammen stand, beherrschte die Schlagzeile schlagartig alle Nachrichtenkanäle und in Rekordgeschwindigkeit wurden Millionen aus privater Hand angeboten, für die Reparaturen aufzukommen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wurden allerseits kritisiert, dass sie diese Bilder nicht live zeigten. Andere Kanäle zeigten einen YouTube-Stream in Echtzeit und die Zuschauer*innen wunderten sich über die von einem Algorithmus generierte Info-Tafel, dass es sich beim Ereignis um 9/11 und Bildern aus New York handelte.

Die Phrase, die Aktive aus der Politik und aus anderen Teilen der Gesellschaften, ob aus Frankreich, Deutschland oder anderswo in den Raum warfen, zeigt ein deutliches Bild. Beim Anblick dieser Kathedrale in den Klauen des Feuers brennen die Herzen, so der viel zitierte Ausspruch zur historischen Bedeutung von Gebäude und Inhalt.

Hier sollte man den Phrasen entschieden Einhalt gebieten und schauen, wer wir eigentlich sind, was wir tun und worum es geht. Wie die wirklich wichtigen Fragen lauten. 

Ein Symbol steht in Brand. Eine Vielzahl von Artefakten wie der Rosenkranz, den einst Jesus Christus selbst getragen haben soll, wurden vor den Flammen gerettet. Das Gebäude selbst, so schrieben die Medien noch in der Nacht, werde nicht gänzlich zerstört sein, wenn das Feuer gelöscht ist. Am Morgen danach wurde dies bestätigt.

Als Fazit zur öffentlichen Reaktion ist festzustellen, dass die Betroffenheit und Hilfsbereitschaft ein spektakuläres Maß aufzeigen. Wann brannten die Herzen so sehr, als humanitäre Katastrophen bekannt wurden, als Kriege um Öl und Macht begannen und wir Kinder in ausgebombten Häusern auf dem Bildschirm weinen sahen?

Wann brannten unsere Herzen so sehr, als wir Obdachlose unter Brücken schlafen sahen? Beim Anblick von Videos zur Massentierhaltung, zur Vergiftung der Meere und Flüsse? Wann haben wir uns auf unsere Menschlichkeit im wahrsten Sinne fokussiert statt auf Dinge, denen wir hohe Bedeutungen beimessen?

Bei allem Respekt vor Relikten der Vergangenheit – wann sollten die Herzen der Menschen tatsächlich in Flammen stehen? Beim Anblick vom brennenden Gemäuer voller Prunk oder beim Leiden von Mensch, Tier und Umwelt?

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe Immer wieder sonntags zum Brand von Notre-Dame, 21.04.19.

*Aus Gründen der Aktualität veröffentlicht am 17.04.19*

Wer welche Rechnung zahlt

Immer wieder sonntags #18

Das Thema Fridays For Future haben wir bereits einige Male aufgegriffen und dennoch bleibt es eines, das stets neu polarisiert. Was wir hier erleben, zeigt einen großen, sehr interessanten Unterschied zwischen Einzel-Demos und einer funktionierenden Bewegung.

Wo bei anderen Themen die Dynamik nach einigen Wochen verflogen ist, bleibt der Protest von Greta Thunberg und ihrer Schar der Klima-Aktiven brennend aktuell. Das ist mehr als ein Beleg, wie ernst es den Protestierenden ist und wie sehr bei der Thematik Abhilfe zu schaffen ist.

Kein Hauch von Zurückweichen von den Motiven, kein Wimpernzucken bei Androhungen von Sanktionen von Aktiven aus der Politik, den Schulen, der Wirtschaft. Der Wirtschaft? Oh ja, denn wer wäre betroffener, wenn aus dem Protest ein wirkliches Handeln erwächst, das Veränderungen schafft.

Unter dem Strich hat die Betrachterin oder der Betrachter dieses Protests oder Konflikts zwei deutlich zu unterscheidende Lager ausgemacht, deren Standpunkte unterschiedlicher kaum sein könnten. Diese Erklärung, die nun folgt, mag sehr schlicht ausfallen. Doch manchmal sind die Dinge halt einfach, bis ein Antagonist um die Ecke kommt und Deutungshoheit einfordert.

Auf der einen Seite haben wir es mit einem konservativen Gedankengut zu tun, wo mehr Wert auf Beständigkeit und Profitwachstum gelegt wird als auf wissenschaftliche Prognosen, zu welchem Preis die Beständigkeit und der Profit generiert werden.

Dabei reicht der Blick des Adlerauges vom eigenen Haus, Auto und Boot hinüber zu dem, was man kennt. Klimawandel, Dürre, Überbelastung der Umwelt – alles Hokuspokus, so lange die geliebten Zahlen stimmen. Schaut man nur auf sich und nicht auf zukünftige Generationen, dann packt selbst ein Grüner Ministerpräsident plötzlich die Sanktionskeule gegen Schülerinnen und Schüler aus.

Man möchte die Sache beerdigen mit einem Abgesang wie „Ihr hattet euren Moment im Scheinwerfer, jetzt seid wieder brav und ruhig und schaut mal schön weg“. Oder ohne Belege auf unbezahlbare Folgen hinweisen, sollte man sich jetzt tatsächlich ernsthaft für das Klima engagieren.

Genau da explodieren der blanke Frust, das pure Entsetzen junger Menschen in den Köpfen und Herzen. Denn was da gesagt wird, bedeutet unter dem Strich, dass die Erträge von heute und die exakte Bewahrung des Wohlstands im Jetzt bedeutsamer sind als die Zukunft des anderen Lagers – unserer Kinder.

Mein Haus, mein Auto, meine Rendite – Wohlwollen für Kinder hat hier offensichtlich keinen Platz. Manch politisch aktive Figur wird sich am Sterbebett entschuldigen müssen, welche Wunden man der Welt geschlagen hat, die die eigenen Kinder nun ausbaden müssen. Auch, wenn es faktisch doch falsch war, wollte man ja nur das ideologisch Richtige tun.

Doch der Absolution der eigenen Kinder sollten sich diese Menschen nicht zu sicher sein. Wer sich hier weigert, die Zukunft der eigenen Kinder zu schützen, wird sich nicht wundern dürfen, am Lebensabend für das eigene Tun mit Schimpf und Schande belegt zu werden.

Denn die Rechnung wird erst am Ende bezahlt.

Ein Kommentar aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ von Frank Ramson zu Fridays For Future, 07.04.19.

Ebenfalls heute erschienen: https://www.zeit.de/campus/2019-04/klimaproteste-fridays-for-future-aktivismus-millenials-generation-y-generationenvertrag

Erst prüfen, dann erledigen

Immer wieder sonntags #17

Manche Dinge können im Leben so einfach sein. Auftragen, polieren. Wer mal Karate Kid gesehen und Mr. Miyagi diese Worte hat sprechen hören, kann sich genau vorstellen was gemeint ist. Es klingt zugleich ein wenig nach der Bearbeitung von Dokumenten. Erst prüfen, dann erledigen. Wie unvorteilhaft sich dieses so gewöhnlich klingende Prozedere auswirken kann, wollen wir anhand zweier aktueller Beispiele betrachten.

Teil 1: Schöner töten.

Das ist der Titel eines stark geschriebenen taz-Artikels zum Tierwohl-Label. Dazu zunächst eine These: Tiere sind empfindsame Wesen. Wer das nicht anerkennt*, hat vergessen oder verdrängt, dass sich der Mensch als höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten zwar als Mensch bezeichnet, doch damit nur den Teil zuoberst der biologischen Kette der Tiere in der Gegenwart beschreibt.

Haben wir wirklich keine Gefühle?

Ein solches Label für ethisch vertretbaren Fleischkonsum kann im Zusammenhang kaum mehr bedeuten als dem eigenen Gewissen einen Anstrich der Vertretbarkeit zu verpassen. Für die Gewissheit, dass die Tiere es ja gut hatten. Damit es ok ist, sich die Kuh, die auf dem Bauernhof Helene genannt wurde, ohne nähere Kenntnis der Umstände ihrer Tötung einzuverleiben.

Damit wird ein fehlerhafter Aktionismus betrieben, bei dem die Maxime „Wir haben doch etwas getan“ mitschwingt, ohne tatsächlich problematischen Ursachen entgegenzuwirken. Statt der Bildung zum Thema und einhergehender Diskussion Tür und Tor zu öffnen, wird das Scheunentor vernagelt und der Punkt als bearbeitet abgehakt.

Die Strategie, hier den tatsächlichen Handlungsbedarf durch vermeintlich wohlwollende Etiketten zu vernebeln, ist all zu leicht durchschaubar und kaum ernst zu nehmen. Wie, so frage ich mich, wie erklären Menschen, die mit dieser Methodik arbeiten, diese Zusammenhänge den eigenen Kindern?

Der vollständige Artikel von Andrea Maestro, auf den sich dieser Teil des Kommentars bezieht:
https://www.taz.de/Ethisch-vertretbarer-Fleischkonsum/!5579609/

Ergänzend der Blick über unsere Grenzen hinaus*: https://www.bento.de/nachhaltigkeit/tierschutz-britisches-parlament-will-tieren-kein-empfinden-zustehen-a-00000000-0003-0001-0000-000001869869

Teil 2: The end of the internet as we know it.

Ein Gespenst macht die Runde, das keines ist. Artikel 13, der aktuell kontrovers diskutierte Upload-Filter für Inhalte von urheberrechtlicher Relevanz, verunsichert Nutzer*innen weltweit.

Urheberinnen und Urheber verdienen es, für die Herstellung z.B. eines Werks genannt und an möglichen Einnahmen zum Werk beteiligt zu werden. Darüber hinaus sind weitere Verwendungen des Werks oder Teilen davon mit den Urhebenden zu besprechen, ehe man das darf. Leuchtet ein, denke ich. Wenn ich ein Gedicht schreibe, soll die Welt auch wissen, wer es sich ausgedacht hat.

Wie versessen man nun auf eine Beteiligung an möglichen Einnahmen, gerade bei grenzwertigen Ähnlichkeiten, ausgerichtet ist, entscheidet wohl ein/e jede/r für sich. Wie drastisch man dem nachgehen sollte, ist ebenfalls eine Frage der Befindlichkeiten. Wo man sich jedoch einig sein sollte, ist ein differenziertes Vorgehen zu betreiben, das allen Beteiligten möglichst gerecht wird.

Ob das nun Urheber*innen, Nutzer*innen der Inhalte oder Tätige bei Rechteverwertenden und weiteren Einrichtungen sind. Doch der im Rahmen von Artikel 13 vorgesehene Filter erfüllt nach aktuellem Stand genau dieses Kriterium nicht. Er teilt unverhältnismäßig auf, wer künftig womit was machen darf oder können soll und so davon profitiert. Er bevorteilt die Major Player der Branche weit über alles Maß hinaus.

Die Schwarzmalerei, welche Einschnitte uns bevorstehen, wenn dieser Artikel 13 sich im Netz auswirkt, ist Ernst zu nehmen. Wie beim Beispiel mit dem Tierwohl-Label ist auch Artikel 13 eine Mogelpackung, die keine Problemursachen angeht und auf Lösungen abzielt. Es ist vielmehr eine trügerische Verpackung, deren Inhalt nicht zur Aufschrift passt.

Diesen Lug und Trug dürfen wir uns nicht als praxisnah darstellbare Handlungsansätze verkaufen lassen, welche zielführend seien und uns damit begnügen. Dagegen ist entschieden zu protestieren, denn das Tierwohl-Label hilft weder dem Tier noch den Tierschützer*innen wirklich weiter und bei dem Upload-Filter hat außer Großfirmen kaum jemand wirklich etwas zu gewinnen – aber dennoch viel zu verlieren.

Der vollständige Artikel von Joe McNamee, auf den sich dieser Teil des Kommentars bezieht:
https://netzpolitik.org/2019/ist-artikel-13-wirklich-das-ende-des-freien-internets/

Ein Kommentar aus von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zum Tierwohl-Label und Artikel 13, 24.03.2019.

Auf des Messers Schneide

Immer wieder sonntags #16

Es gibt Tage, da sind politische Beschlüsse so schön anzuschauen wie ein Sommermorgen. Ein prächtiger Blumenstrauß in den leuchtenden Farben guter Entscheidungen, weiser Vorraussicht und ein Zeitdokument gemeinschaftlicher Entschlossenheit für die richtige Sache kann sich auch richtig gut anfühlen. Schüler*innen die Leihgebühr in der Bücherei mit einem einstimmigen Beschluss zu erlassen ist wohl ein gutes Beispiel, wie man das immaterielle Prachtstück in die Finger bekommt.

Doch es sind natürlich nicht immer Beschlüsse in Regenbogenfarben mit Schleifchen, die zu fassen sind. Es wird diskutiert, behakt und teils gezetert was das Zeug hält. Das ist gut so, denn Politik muss lebendig sein, muss gelebt werden, damit sie der Demokratie in all ihrer Formen gerecht wird. Es ist ein ewiges Buhlen um Akzeptanz, Dominanz, Wortgewalt, Inhalte und Durchhaltevermögen. Mehr noch und natürlich nicht nur in dieser Reihenfolge.

In wie weit kann demokratisch gerecht geregelte Demokratie in derartiger Beschlussform dennoch ungerecht sein? Ist die Form ein Garant, dass durch die parlamentarische Abstimmung ein gerecht geformtes Meinungsbild der Beteiligten und somit auch der Betroffenen dieser Beschlüsse, der Wähler*innen, gewährleistet wird? Wenn man sich die Struktur anschaut, sollte es so sein.

Einen großen Unterschied machen da die Ebenen von Recht und Moral. Ja, rechtmäßig ist es, wenn eine Abstimmung mit 5:4 ausgeht. Oder mit 8:7. Aber bei so knappen Entscheidungen, die in ihrer Deutlichkeit die Unterschiedlichkeit der Fronten kaum besser abbilden könnten und womöglich auch das Wähler*innenklientel den Inhalt derart gespalten sieht – ist das dann dennoch gerecht?

Im härtesten Fall, nehmen wir es mal wörtlich, stehen sich Bürger*innen und Politiker*innen mit ihrer Meinung im Verhältnis 50,1% zu 49,9% gegenüber. Ja, packt man die Moral an der Kehle, muss man es wohl gerecht nennen denn auch die kleinste Mehrheit ist eine Mehrheit. Gehen wir über Recht und Moral hinaus und schauen auf die Besonnenheit, sich hier durchzusetzen oder eben nicht?

Offenkundig gibt es derart tiefe Gräben und verhärtete Fronten, dass die Unterschiede in dem Meinungsbildern bei so einem Ergebnis möglicherweise gewinnbringend zu bearbeiten wären. Dies setzt natürlich die Bereitschaft der Beteiligten voraus, dies auch zu tun. Sich mit frisch poliertem Visier wieder an das Thema zu setzen und sich auch unsympathische Blickwinkel anzuhören.

Es setzt Gespräche der offenen Worte voraus. Züge der Kompromissbereitschaft, wenn man über das eigene Anliegen und Wirken hinaus mal darauf guckt, wer die Betroffenen der Auswirkungen sind, um die es hier eigentlich geht. Ob wir nur einen Zaun reparieren lassen wollen oder von einem Geflecht aus Menschen und Inhalten sprechen, wobei ganz andere Faktoren zu berücksichtigen sind.

Ob es einem auch gelingt, für ein größeres Wohl die eigenen Interessen und Bedürfnisse hinten an zu stellen oder eben nicht. Manchmal, so scheint es, mögen Recht und Moral allein die richtigen Ratgeber sein, wenn man sich vor einer schwierigen Entscheidung befindet und Position beziehen muss. Nicht zu selten trägt die Besonnenheit dennoch ein besonders wichtiges Puzzlestück bei.

Denn nicht jede und jeder mit der Chance, etwas für sich zu gewinnen, tut dies auch um jeden Preis. Es gilt in Anbetracht verschiedenster Faktoren abzuwägen, ob man manche Entscheidungsfindung bei einer zu hohen Hypothek nicht besser sein lässt und das Thema neu angeht. Sich wagt, sich traut es nochmal von Grund auf zu bearbeiten und sich nicht an die letzte Stimme klammert, die die Karten von Glück und Unglück verteilt.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zur Besonnenheit in der politischen Beschlussfindung, 10.03.19.

Vereint für das Klima

Immer wieder sonntags #15

Die öffentliche Diskussion um Greta Thunberg und ihren Protest für das Klima findet sich aktuell in allen großen Blättern, in Foren und TV-Sendungen. Es wird kontrovers diskutiert, was Greta erneut bekannt gemacht hat – der Klimawandel.

Nicht dieser ist neu, eher die Prominenz rund um Greta. Sucht man nur ihren Vornamen in der populärsten Suchmaschine unserer Hemisphäre, erscheint direkt der Wikipedia-Eintrag von Greta Thunberg.
Eine wenig anschauliche Doppelmoral von politisch Aktiven, Kolumnisten und Kritikern aus Wirtschaft und Finanzen prasselt derzeit auf diese junge Frau und Mitstreitende an ihrer Seite ein, um ihren Protest zu verteufeln.

Diese schießen sich verbal wahlweise auf Greta als Person, den Umstand des Schulschwänzens zugunsten des Protests oder auf ähnliche Ansätze ein, um sich in einem Stellvertreter-Gefecht über sie und ihre Aktionen auszulassen. Eigentlich sollte im Zentrum der Diskussion das Klima stehen.

Wenn man sich die Argumente dieser Kritikerinnen und Kritiker anschaut, sind erstaunlich oft Versuche erkennbar, diesen Protest um der Rettung des Klimas Willen:

– zu verniedlichen, als sei das alles ganz süß, aber dennoch Kinderkram
– zu verteufeln, denn die Kinder sollten doch in der Schule sein und lernen
– zu verzerren, um das Motiv des Protests vom Kern abzulenken

Natürlich gibt es da noch viele weitere Facetten zu beobachten, doch sehen wir uns diese drei kurz beschriebenen Varianten einmal näher an.

Es gilt, die Welt zu retten, ehe die Umweltverschmutzung, die Ausbeutung von Rohstoffen usw. so sehr zum Bumerang werden, dass für zukünftige Generationen ein Leben, wie wir es heute kennen, kaum bis gar nicht mehr möglich sein wird.

Das ist nicht süß oder niedlich, es ist vielmehr eine kluge und bedachte Sicht im Kampf um die Zukunft unserer Enkel*innen und darüber hinaus. Wer hier die Realitäten verkennt, wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, moralisch korrupt, naiv oder beides zu sein.

Die Kinder sollen in die Schule gehen und bitte nachmittags protestieren. Am besten wohl auf einer Wiese fernab der Öffentlichkeit, so klingt es zwischen den Zeilen durch. Doch Protest funktioniert nur, wenn er gesehen, gehört und erlebt wird und in seiner Art Reibung erzeugt.

Wer es unseren Kindern nicht erlauben will, an dieser Stelle und mit dem Hintergrund dieser Wichtigkeit für ihre Zukunft zu protestieren, lebt vermutlich in einer Wolke des Wohlstands, wo man selten auf andere Menschen trifft (schon gar nicht wirtschaftlich schlechter gestellte Menschen), blüht auf vor ideologischer Ignoranz oder schert sich schlicht nur um die eigenen, kurzfristigen Bedürfnisse.

Es wird der Sinn des Protests verzerrt, von Gutmenschen und notorischen Schulschwänzern ohne Realitätssinn gesprochen und das elementar Wichtige dabei zu verdecken versucht. Der gewaltfreie Protest um der Zukunft vieler Menschen Willen, an dem sich derart viele junge und auch ältere Personen oder Gruppen beteiligen, dient dem Wohle aller Menschen!

Das versuchen Einzelne zu verhindern, die von vorhandenen Strukturen profitieren oder ideologischem Irrsinn hinterherlaufen, den sie vermutlich selbst nicht glauben. Von diesen und von gewissenlosen Profiteuren einmal abgesehen hat wohl niemand ein Interesse daran, der Zukunft unserer Kinder nachhaltig zu schaden.

Um die Zukunft lohnt es sich zu kämpfen und dafür zu protestieren. Für unser Klima, für unsere Umwelt, für unsere Kinder und aus logischen Gründen damit auch für uns selbst.

Ein Kommentar aus der Reihe "Immer wieder sonntags" von Frank Ramson zum Klimaschutz, 10.02.19.

Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland

JA! Bevor Sie den Text lesen oder auch nicht lesen, der unter diesem Absatz beginnt, möchte ich gerne das Ende vorweg nehmen und Ihnen sagen, was ich denke: JA! Wir wollen das Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland!

Wie es unsere Fraktion DIE LINKE im Bundestag fordert, halte auch ich es für höchst sinnvoll, das Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland auf 120 km/h zu begrenzen. Und das sicher nicht, weil irgend jemandem ganz persönlich der Spaß verdorben werden soll. Doch wo wir schon beim Spaß sind – wer definiert eigentlich, wo der Spaß beginnt und wo der Spaß aufhört?

Im Sinne einer Demokratie sollte es das Volk sein, an dessen Meinung eine solche Regelung zum Tempolimit ausgerichtet wird. Niemand ist mehr betroffen und bei kaum einem Thema fällt es Menschen derart einfach, sich dafür oder dagegen zu positionieren. Dabei trennt sich das Klientel der Befürwortenden und Ablehnenden sehr deutlich in zwei Lager.

Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland befürwortet das Tempolimit aus verschiedenen Gründen*. Zu betonen sind hier besonders die Punkte „weniger Tote“, „weniger Verletzte“, „mehr Sicherheit“ und „mehr Klimaschutz“. Was Minister Kretschmer und Verkehrsminister Scheuer jüngst zum Thema sagten, zielt in eine andere Richtung und wirkt schon eher peinlich.

Einerseits meinte Herr Kretschmer, man solle die Menschen in deren Wahrnehmung nicht mit „erhobenem Zeigefinger bevormunden anstatt sie zu schützen“. Wenn man der Stimme des Volkes nun entnimmt, man würde das Tempolimit zugunsten weniger Verkehrstoten befürworten, bevormundet der Minister im Ergebnis das Volk und verweigert diesem den gewünschten Schutz.

Darüber hinaus erbost sich Herr Kretschmer, diese Debatte würde den Zusammenhalt in unserem Land, in unserer Gesellschaft bedrohen. Dazu kann ich nur sagen – wenn unsere Demokratie diese Diskussion nicht aushält, hat sie den Namen Demokratie wohl kaum verdient. Und warum dieses Thema eine solche Sprengkraft beinhaltet, erklärt uns der Verkehrsminister.

Herrn Scheuer geht es um die Freiheit der Autofahrer in Deutschland. So, so. Um die Freiheit. Die häufigste Todesursache auf Autobahnen im Jahr 2017 war – sie haben es erraten. Zu schnelles Fahren. Ist das die Freiheit, die Herr Scheuer da meint? Darüber hinaus sagte er, die Sache mit der Feinstaubbelastung wäre übertrieben und ein Tempolimit „gegen jeden Menschenverstand“ (Zitat).

Sich im Rahmen der Straßenverkehrsordnung zu Tode rasen dürfen, muss also drin sein, wäre eine andere Interpretation seiner Sicht auf die Dinge.Es wird einem schon Angst und Bange, wenn man diese Aussprüche und den Mann dann auch noch von Menschenverstand schwadronieren hört.

Wo sonst hört man die CDU/CSU so merklich auf den Spaßerhalt pochen? Wo keine Lobbyisten unterwegs sind, da hört man kaum etwas. Letzten Endes macht es den Eindruck, als wäre nicht das Thema selbst, sondern der eigene Vorteil und jener der eigenen besten Freunde ausschlaggebend, wie man sich hier positioniert.

Das ist ernüchternd und beschämend, denn es sind Amtsträger, die wir hier erleben. Wo sie uns eine Inspiration im Dienste ihres Amtes sein könnten, sieht es eher so aus, als müssten sie selbst noch gehörig dazulernen. Im Fazit sage ich JA zu weniger Toten und Verletzten, zu mehr Sicherheit und Klimaschutz und somit JA zu einem Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland!

Ein Kommentar von Frank Ramson zur aktuellen Diskussion um das Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland, 28.01.19.

*Quellen:
https://www.presseportal.de/pm/13399/4176097
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/politbarometer-zum-tempolimit-100.html
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/tempolimit-andreas-scheuer-beklagt-staendige-gaengelung-a-1250232.html
Mobirise

Was man nicht mehr braucht 

Immer wieder sonntags #14

Es gibt Dinge, die haben irgendwann ausgedient. Der alte Toaster, die E-Zahnbürste, sogar der beim Erstkauf umjubelte Blu-Ray-Player mit 1080p und Frontblende-Optik passend zum Hi-Fi-Schrank. Ebenso das alte Fahrrad in der Garage und selbst das Sofa, das noch gar nicht abgenutzt aussieht. Man braucht es nur schlicht irgendwann nicht mehr oder die Augen begehren nach etwas Neuem.

Anders sieht es bei To-go-Produkten wie Kaffeebechern oder Finger Food für unterwegs aus dem Kühlregal am Bahnhofskiosk aus. Hier liegt die Zeit zwischen Erwerb und Entsorgung in der Regel bei Stunden oder sogar nur Minuten, ehe die Verpackung oftmals neben dem Abfallbehälter landet oder gar direkt auf den Asphalt geworfen wird. Die Beachtung endet abrupt.Zumindest von jener Person, die sie dort gelassen hat.

Oder die Abfälle von Zigaretten und Kaugummi. Gerade an Bushaltestellen, Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen oder sogar an manchem Strand entsteht ein absurdes Verschmutzungsproblem. Absurd, weil es so einfach zu verhindern wäre, wenn nicht die Ignoranz oder Sorglosigkeit im Verhalten einzelner Menschen eine alle betreffende Problematik stark vorantrieben.

Anders gesagt, viele Orte hätten nicht im Ansatz ein Verschutzungsproblem, wenn nicht ausreichend viele Menschen auf Rücksicht gegenüber der Natur pfeifen würden. Und natürlich gegenüber anderen Menschen, auch wenn sich dieser Eindruck zuerst vielleicht nicht aufdrängt. Doch wild entsorgte Kippen, Plastikmüll und andere Stoffe lassen Gifte in die Böden sickern.

Die chemische Mischung, die durch Regen und andere Einflüsse ausgespült oder anders freigesetzt wird, landet in unserem Grundwasser und sorgt für eine unnötige Belastung unserer Wasserqualität. In jenem Wasser, das schon durch viele andere Faktoren ebenso über Gebühr belastet wird wie unsere Böden und Äcker. Wo sehen wir hier ein angemessenes Maß an Umsicht und Sorgfalt?

Dieser Mangel fällt dann nicht nur uns in den Rücken. Nein, auch Tiere leiden gehörig darunter. Während der Mensch sich eher differenziert ein Ding anguckt, bevor er es sich in den Mund legt, gehen Tiere mit weniger Bedacht vor. So landet vieles im Magen eines Tieres, was dort absolut nicht hingehört. Sicherlich leidet das Tier darunter und wohlmöglich landet es dann selbst schon bald auf dem Teller eines Menschen.

Möglicherweise ist es an der Zeit, wieder etwas mehr auf einander zu achten. Sich nicht gegenseitig zu belehren, doch zu ergänzen. Wege zu suchen, miteinander zu mehr Umweltschutz und Sauberkeit zu gelangen statt nebeneinander her mit Scheuklappen auf den Augen einfach weiterzumachen wie bisher oder gar gegeneinander zu streiten, wo man kaum zweier Meinung sein kann.

Denn unsere Böden, unser Wasser, unsere Sonne und unsere Luft werden wir immer teilen müssen. Das macht uns zu universell Betroffenen von Beschädigungen, die Einzelne dieser Welt im Großen oder Kleinen zufügen. Wir neigen dazu, es zu vergessen, doch über die Eigenverantwortung hinaus sollte man sich selbst stets daran erinnern, dass die Welt allen gehört, die darin leben und die Heimat aller Menschen ist.

Jede und jeder ist verantwortlich und wird an ihren oder seinen Taten gemessen. Auch daran, wie man mit Dingen umgeht, die man nicht mehr braucht. Möglicherweise ist es nicht nur an der Zeit für mehr Umweltbewusstsein, sondern auch eine Zeit neuer Vorbilder. Solche, die sich engagieren, Massen in Bewegung setzen und der Welt auf diesem Weg ein gesünderes Gesicht geben.

Ob so ein Vorbild nun Greta, Boyan oder Dietrich heißt, spielt nur eine Nebenrolle. Denn es geht um uns alle.

Frank Ramson mit einem Kommentar aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zu Umweltbewusstsein und neuen Vorbildern, 27.01.19.

Wir gedenken Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Immer wieder sonntags #13

Mobirise

Bilder: rosalux.de

Welche Worte würden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wählen, um den Zustand der Gegenwart zu beschreiben, wie wir sie gerade erleben? Welche Gedanken wären ihnen die Wichtigsten, sie sofort laut auszusprechen und öffentlich zu machen?

Wir gedenken Rosa Luxemburg, die am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Unvergessen bleiben ihre internationalistische und antimilitaristische Haltung, die ihre AnhängerInnen bis heute in ihrem Tun beflügeln. Ebenso der revolutionäre Geist, dem Kapitalismus mit leidenschaftlicher und überzeugender Kritik zu begegnen. Sich mit aller Kraft aufzulehnen, wo es nötig war.

Sie war eine promovierte Akademikerin und beeindruckte durch ihre Vielsprachlichkeit, durch ihre Wortgewandtheit und Überzeugungskraft. Viel zitiert wurde ihr Satz: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern. Den tapferen Kampf um soziale Gleichheit und politische Freiheit bezahlte sie unter Qualen mit ihrem Leben.

Wir gedenken Karl Liebknecht, der am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Wie Rosa war auch Karl, durch die Werke von Marx stark beeinflusst, eine unermüdliche Kraft im antimilitaristischen Kampf. Er rief am 09. November 1918 vor dem Berliner Schloss eine freie, sozialistische Republik aus. Mit ihm wurde aus der Gruppe Internationale der Spartakusbund geschaffen.

Karl war Sprecher der revolutionären Linken und einer der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands an der Seite von Leo Jogiches und Rosa Luxemburg. Ab dem 08. Januar nahm Karl am Spartakusaufstand teil. Eine Woche später wurde er am Ufer des Neuen Sees in Berlin grausam mit mehreren Schüssen getötet.

Wir gedenken ihrem Mut und ihrer Widerstandskraft. Für ihre Motive und Ideale haben sie unbeirrbar gekämpft und dabei zuerst ihre Ziele statt die eigene Sicherheit beachtet. Ihr Vermächtnis ist uns Mahnung und Ansporn zugleich, für eine gerechte Zukunft zu kämpfen. Eine, die man behüten und behalten will. Eine, um die es sich zu kämpfen lohnt!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zu Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, 13.01.19.
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Die Geschichte von Erich Krämer

Kommentar in der Ausgabe: Antifaschistischer Rundbrief Nr. 101.

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Mein Urgroßvater Franz Erich Krämer, kurz Erich Krämer, wurde am 09. März 1900 in Granschütz in Sachsen-Anhalt geboren. Nach seiner Schulzeit ging er in die Lehre und erlernte das Handwerk des Barbiers. Anschließend zog er nach Dänemark und eröffnete in Haderslev den ersten, eigenen Salon. Von dort stammte seine Ehefrau Dorothea Krämer, geboren als Dorothea Petrine Meiland am 16.09.1896. Erich und Dorothea heirateten am 02.06.1922. Kurz darauf wurde am 12.07. ihr erster Sohn Ernst Erich Krämer geboren. Es folgten am 12.08.1926 Karl Heinz und am 28.02.1928 Hans-Werner Krämer.

Erich und Dorothea wohnten mit Ernst in der Sönderbro in Haderslev, ehe 1924 ein Umzug folgte und die Familie nach Elmshorn zog. 1926 trat Erich einer Schalmeienkapelle sowie der Roten Hilfe bei und wurde 1929 Mitglied und Unterkassierer in der KPD. Der Wohnsitz der Familie lag in der Kirchenstraße 55, nach der Geburt der drei Söhne in der Peterstraße 4 in Elmshorn. Erich erarbeitete den Lebensunterhalt durch eine Tätigkeit als Friseur, später als Arbeiter in der Lederfabrik Metzger.

Im Juli 1932 kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten in der Ollnsstraße in Elmshorn. Erich und eine Reihe Gleichgesinnter traten 14 SS-Männern gegenüber, welche provokativ auftraten und ihre Propaganda publik machen wollten. Man vertrieb die Nazis, doch es kam zu Verhaftungen unter den Widerständlern durch die Polizei. Auch Erich wurde an diesem Tag verhaftet, jedoch nicht für ein Vergehen verurteilt.

Ab Januar 1933 verschlimmerten sich die Umstände drastisch. Die Mitglieder der Schalmeienkapelle erfuhren neben vielen anderen Gruppen und Einzelpersonen Beschlagnahmungen ihrer Instrumente und andere Repressalien durch die Polizei. Diese wurde angetrieben durch Anklagen der Hamburger Gestapo. 1934 nahm die Gestapo verschiedene Protagonisten wegen der Verteilung von Flugblättern gegen das Regime Hitler fest. Es kam zur Anklage wegen der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens.

Erich wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und am 19.12.1934 im KZ-Lager Fuhlsbüttel inhaftiert. Vom 26.08.1935 bis 16.01.1938 folgte eine Haft im KZ Esterwegen, zeitweise im Zuchthaus Rendsburg. Während dieser Jahre übernahm Dorothea die Aufgabe der Unterkassiererin in der KPD und arbeitete als Haushälterin in Anstellung, um die Kinder zu ernähren.

1938 kehrte Erich nach Elmshorn zurück und nahm direkt eine neue Stelle an. Er wurde trotz der erst kürzlich erlittenen, körperlichen Belastungen Arbeiter auf der Krämerwerft. Dort tauschte er sich mit anderen Arbeitern aus und übte deutliche Kritik am Nationalsozialismus, an der Regierung Hitler und an der Unmenschlichkeit, mit der in Konzentrationslagern und Zuchthäusern mit Menschen umgegangen wurde. Durch seine edle und ehrliche Haltung kam es, dass er denunziert und erneut verhaftet wurde.

Am 18.03.1942 wurde er nach dem Heimtückegesetz durch das Amtsgericht Neumünster zu zehn Monaten Haft verurteilt. Sein Leidensweg führte in das KZ Sachsenhausen, wo er als sogenannter Schutzhäftling mit der Nummer 0439 13 im Sonderkommando Klinkerwerk Sklavenarbeit leisten musste. Die Arbeit bestand unter anderem darin, Gaskammern zu kacheln, ehe diese zur Ermordung von Menschen in Betrieb genommen wurden.

Am 16.07.1942 wurde Franz Erich Krämer per Kopfschuss ermordet. Der Totenschein vom 18.07.1942 wies die nicht zutreffende Todesursache einer Allgemeininfektion aus. Am 19.08.1942 wurde die Urne mit der Asche von Erich Krämer beigesetzt. Sein Mut und seine Charakterstärke bleiben uns ein Vorbild, den Faschismus und Nationalismus entschlossen zu bekämpfen!

vvn-bda.de
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Von guten Worten und besseren Taten

Immer wieder sonntags #12

Nähert sich ein Jahr seinem Ende, neigt der Mensch dazu, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was nicht. Was eine Jede und ein Jeder an persönlichen Vorsätzen fassen, ist zu vielfältig, um es wirklich greifen zu können. Doch was universell für alle gelten kann oder soll und uns als Menschheit gleichermaßen betrifft, lässt sich sehr einfach in Worte fassen und leitet idealerweise zu guten, ja zu besseren Taten an.

Wie es der Astronaut Alexander Gerst sehr treffend auf den Punkt gebracht hat, krankt es beim Umgang mit unserem Planeten und seinen Ressourcen an sehr vielen Stellen. Hinzu kommen die Kriege, die schreckliches Leid verursachen und wie im Fall von Syrien einen erheblichen Teil der Bevölkerung zur Flucht gezwungen haben.

In Deutschland klafft die soziale Spaltung so stark hervor, dass sich manche Menschen mit nichts anderem als dem Kaufrausch im Bereich der Luxusprodukte und mit Wellness-Wochenenden im exklusiven Edel-Domizil die Zeit vertreiben, während andere ihren Kindern kaum das Schulbrot, eine neue Hose oder das Dach über dem Kopf bezahlen können. Oftmals trotz Haupt- und Minijob.

Martin Luther King hat gesagt: Einerseits muss ich versuchen, die Seele eines jeden Einzelnen zu verändern, damit sich die Gesellschaft verändern kann. Andererseits muss ich versuchen, die Gesellschaft zu verändern, damit sich jede einzelne Seele verändern kann.

Wir leben im Überfluss der Informationen, der Anreize und entdecken und entwickeln im Verlauf unseres Lebens unterschiedlichste Interessen und Neigungen. Bedürfnisse verändern sich, Prioritäten tragen verschiedene Gesichter. Doch bestimmte Grundsätze ändern sich nicht. Gerade die elementar notwendigen Grundlagen sind nicht so verschieden.

Die Logik und die Empathie können ein Schlüssel sein, zu einem besseren Miteinander zu gelangen. Für unser aller Wohl ist es sehr zu wünschen, dass wir uns mehr als eine Weltgemeinschaft verstehen, in der es zukünftig allen besser gehen kann und soll als bisher. Nicht als blanke Ansammlung von Egoismen. Diese Geschichten führen über kurz oder lang zu einem bösen, einem zerstörerischen Ende.

Es gilt, sich mit dem Besten auseinanderzusetzen, was wir haben – mit dem Herzen und dem Hirn. Wer nur die eigene Gier liebt und dem eigenen Wohlstand huldigt, wird sich jetzt wohl beim „Herzen“ ein Grinsen nicht verkneifen. Hier ist das Empathiedefizit auf das Grausigste erkennbar.

Wer sich ihrer oder seiner Menschlichkeit und den damit verbundenen Werten bewusst ist, sollte den eigenen Gedanken nicht nur Worte, sondern auch Taten folgen lassen. Nur so erreicht man vielleicht eines Tages ein gutes Leben für alle und eins ist sicher: Es lohnt sich, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen.

Auf ein Jahr 2019 der freundlichen Gemeinschaftlichkeit und des verständnisvollen Miteinanders!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zum Jahreswechsel, 30.12.18.

Eine neue Zeit des Gewissens

Immer wieder sonntags #11

Es ist für sich genommen skandalös, mit welcher Häufigkeit Verbraucherinnen und Verbraucher von Skandalen rund um die Herstellung von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und weiteren Produkten geschockt und gedemütigt werden. Ob es sich um Gammelfleisch, um mit Plastikteilchen versetzten Joghurt oder schädliche Lotionen und Deodorants handelte, machte in der Betrachtung manchmal kaum einen Unterschied. Mit welcher Sorglosigkeit, Fahrlässigkeit oder mit welchem Vorsatz hier gehandelt wurde, ist zu erahnen und doch schwer zu begreifen. Wie drastisch hier Verfehlungen zugunsten von Profiten, Wachstum und Rendite neue Höhen erreichen, ist um so mehr erschreckend. Ob hier in Deutschland oder anderswo.

Man erkennt es gut am Beispiel des neuerlichen Skandals um das Unternehmen Johnson & Johnson in den USA. Wie die Nachrichtenagentur Reuters angibt, wurde bei der Herstellung von Babypuder während der Jahre 1971 bis Anfang der 2000er wohl wissentlich die Beimischung von Talkum in Kauf genommen, welches Anteile von Asbest enthalten haben soll. Die Verantwortlichen sollen darüber informiert gewesen sein, haben sich allerdings gegen mögliche Änderungsmaßnahmen entschieden. Heute blickt J & J in Anbetracht der Bekanntmachung durch Reuters auf einen Aktieneinbruch von 10 % an der New Yorker Börse (Quelle vom 14.12.18), der Börsenwert des Unternehmens sank zeitweise um bis zu 45 Milliarden Dollar.

Den schlimmsten aller Schäden erleiden jedoch jene Mütter und Babys, die nun klagen, nachdem sie mit dem krebserregenden Puder in Kontakt kamen und erkrankten. Anhand der Details lässt sich kaum in Worte fassen, welches abscheuliche und menschenverachtende Denken und Handeln jene Verantwortlichen angetrieben haben soll, den Wert der Gesundheit der eigenen Kundschaft so gering zu schätzen und vorsätzlich Krankheiten bis hin zum Tode zugunsten einer höheren, wirtschaftlichen Ausbeute und Marktmacht in Kauf zu nehmen. Welche charakterlichen Abgründe sich hier auftun, ist derart widerlich, dass es nur angemessen sein kann, sich für eine neue Zeit des Gewissens einzusetzen. Ob in Deutschland oder anderswo.

Eine Zeit des Gewissens, in der Inhaberinnen und Inhabern, Vorständen und Geschäftsführenden bei der Herstellung und Produktion von Gütern das Wohl der Arbeitenden genauso wichtig sein soll wie jenes der Kundinnen und Kunden. Ebenso die Umweltbedingungen, die zur Herstellung nötig sind und die Bemessung, was dieses Produkt am Markt kosten kann und darf. Und niemals zuletzt, welchen qualitativen Standard es erfüllen muss. Ein Ist-Zustand, in dem auf Kosten der Gesundheit unserer Mütter und Babys wie im genannten Beispiel dreckiges Spiel zugunsten der Profite Einzelner getrieben wird, ist nicht hinnehmbar. Wer so etwas fördert, hat jeden Anstand, jede Menschlichkeit, jeden gesunden Menschenverstand weit hinter sich gelassen.

So ist für das neue Jahr, für die Zukunft und nicht nur für die Menschen in Deutschland zu wünschen, dass exemplarische Strafen für Verfehlungen wie diese hier aufgeführten zusammen mit aufklärender Arbeit zu einer Verbesserung solcher unsäglicher Zustände führen und Menschen der Verleitung zukünftig um so mehr widerstehen, solche Taten auszuführen oder geschehen zu lassen. Egal wo, egal wann – es ist keinem Menschen zu wünschen, sein Produktvertrauen auf die eine oder andere Art mit seiner Gesundheit oder seinem Leben zu bezahlen. Wir kämpfen mit unseren Möglichkeiten für den Respekt und die Anerkennung von Mensch, Umwelt und von Werten, die nicht zugunsten von Profiten und Marktzuwachs verkannt werden dürfen. Für eine neue Zeit des Gewissens.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zu Herstellerskandalen und Produktvertrauen, 16.12.18.

in Bezug auf / Quelle: https://www.reuters.com/investigates/special-report/johnsonandjohnson-cancer/

Wir unterstützen die Seebrücke

Immer wieder sonntags #10

Während wir hier in der sicheren Heimat all unseren täglichen Beschäftigungen nachgehen, sieht es in vielen Ländern ganz anders aus. Die Kriege und Kämpfe, die Naturkatastrophen und die Armut treiben Menschen von ihrem Zuhause fort und schicken sie auf eine lebensgefährliche Reise voller Ungewissheit, Schmerz und Entwurzelung. Sie sind gezwungen, ihre vertraute Umgebung und ihr soziales Umfeld zurückzulassen und nur das Nötigste mitzunehmen. Ihren Familien können sie nicht versprechen, diese Reise lebend und unversehrt zu überstehen. Sie wissen nicht, wo sie in Zukunft schlafen und was sie essen werden. Ob es Menschen geben wird, die sich ihrer erbarmen – ob während der Flucht oder danach?

Oft zahlen sie all ihre Ersparnisse für eine Fahrt voller Gefahren. Sie werden wie Ware betrachtet und behandelt, sie werden belogen und erniedrigt. Es fehlt an Versorgung, Sicherheit, am für Körper und Seele notwendigsten in jeder Hinsicht. Sie haben nur, was sie am Leib tragen und als Halt jene, die bei ihnen sind. In überfüllten Booten werden sie auf den Seeweg getrieben, nicht gewappnet gegen Stürme, Niederschlag oder gegen Angriffe von außen. Eher sind es noch falsche Versprechen, die ihnen mitgegeben werden, man würde sie in Europa freundlich willkommen heißen und ihnen die Welt förmlich zu Füßen legen. Doch mit der Realität haben diese Worte nichts zu tun.

Politisch Aktive, die dem Thema Migration und Seenotrettung voller Ablehnung gegenüberstehen, stacheln die Medien und die Öffentlichkeit immer wieder an, diesen Menschen auf ihrer Flucht nicht zu helfen. Ihnen nach Möglichkeit jede Aufnahme zu verweigern und sie eher ertrinken zu lassen, als sie zu retten. In was für einer Welt leben wir, fragt man sich, wo Menschen sich ernsthaft mit so einer Aussage in die Öffentlichkeit trauen? Was wäre, wenn ihre eigenen Kinder, Frauen oder Ehemänner auf einem dieser Boote sitzen würden – würden sie lebensverachtende und grausame, ja unmenschliche Worte wie diese auspacken, wenn es um ihre eigenen Liebsten ginge?

Nein, es ist die ekelhafte Haltung, sich selbst über Fremde zu erheben, die wir hier sehen. Die Fremden sollen ruhig ersaufen, uns geht’s ja gut. Doch das, liebe Freundinnen und Freude, werden wir hier niemals hinnehmen. Das ist eine zu verachtende, eine beschämende und unwürdige Haltung, die wir verurteilen. Genauso verurteilen wir die Waffenexporte der Bundesrepublik, durch die wir selbst dieses Übel mitverursachen. Wir verurteilen die Profiteure jeder Kriegstreiberei, durch die Menschen zu Kriegsopfern und zu Heimatlosen werden. Wir stehen auf gegen die strafrechtliche Verfolgung jener Kapitäne und Besatzungen, die ungeachtet der persönlichen Gefahren weiterhin Leben retten und denen dafür der Prozess gemacht werden soll. Für ihre Menschlichkeit dürfen und sollen diese tapferen Menschen nicht bestraft werden.

Wir dulden es nicht, dass man Menschen sterben lässt, nur weil sich mit ihnen vielleicht nichts verdienen lässt. Oder weil ihre Haare nicht blond und ihre Augen nicht blau sind! Wir wollen ihnen helfen, ganz gleich auf welchem Flecken Erde sie geboren wurden, denn sie haben es genauso verdient wie wir, dass es ihnen gut geht. Dass sie als Menschen behandelt werden, mit Respekt und mit Würde. Dass sie etwas zu essen haben und nicht um ihr Leben fürchten müssen. Wir sagen JA zu sicheren Häfen, JA zur Seenotrettung und JA zur Aufnahme von Geflüchteten. Wir stehen für die Seebrücke, für die Seenotrettung und für sichere Häfen!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zur Seebrücke und zur Seenotrettung, 02.12.18.

Gedenken für den Frieden

Immer wieder sonntags #9

Wir gedenken am Volkstrauertag den Gefallenen, den getöteten Menschen zu Zeiten verschiedener Kriege. Ebenso halten wir inne im Gedanken an Menschen, die von Umständen wie Krieg und Vertreibung genötigt aus ihrer vertrauten Umgebung flüchten und geliebte Orte und Menschen zurücklassen mussten. Wir erschauern oder erstarren sogar für Momente in Anbetracht der Härte und der Widrigkeiten, welche die Betroffenen erleiden mussten. Nachfühlen können es nur jene und jener, die diese Umstände am eigenen Leib erlebt haben. Wir fühlen mit ihnen.

Wir entstammen einem Land der Dichter und Denker. Viel Großes und Beeindruckendes haben die Töchter und Söhne unseres Landes geschaffen, das der Menschheit zu großem Nutzen gereicht. Doch ebenso waren wir in Kriege und Konflikte verwickelt, denen viele traurige Schicksale zuzuschreiben sind. Schicksale, die uns in unserer persönlichen Betroffenheit berühren. Wenn ich auf die Vergangenheit meiner eigenen Familie blicke, ist mir dieses Leid präsent. Beide Großväter starben infolge ihrer Kriegsverletzungen, wenn auch erst viele Jahre nach Ende jenes Krieges.

So hat sicherlich nahezu jede mit ihrer Historie tief in diesem Land verwurzelten Familie eine solche Geschichte zu berichten. Das Erschreckende ist: sie sticht nicht notwendigerweise hervor, denn es gibt so viele dieser Erzählungen über Mütter und Väter, über Töchter und Söhne, die der Unbarmherzigkeit der kriegerischen Gewalt zum Opfer fielen. Wie damals auch in Deutschland, so toben heute offene Konflikte in vielen Gebieten auf unserem Planeten. Uns, den Menschen als universelle Gemeinschaft, ist es noch nicht annähernd gelungen, diese Konflikte grundsätzlich anders zu lösen.

Wir hören von ergreifenden und verstörenden Lebenswegen von Menschen, die aus anderen Ländern zu uns geflüchtet sind. Die Verwundete oder Tote beklagen, ebenso den Verlust ihrer Heimat, die Ermangelung einer lebenswerten Perspektive für sich selbst, für ihre Kinder und Enkelkinder. Sie wären oftmals lieber zuhause geblieben, als sich in eine ungewisse Zukunft in die Fremde aufzumachen, fern von allem Vertrauten und dem, was man sich aufgebaut hatte. Im Sinne dieser Menschen wie auch zugunsten aller Menschen sind entscheidende Veränderungen notwendig.

Mit dem Wissen um die Beschädigungen, die wir dem eigenen Geschlecht, der Menschheit und unserer übergeordneten Heimat, der Erde, zugefügt haben, muss es unser aller Ziel sein, die Kriege zu beenden. Die Gewalt, die Vertreibung, das Sterben in kriegerischen Konflikten zu beenden. Wo der Dialog zwischen Gruppen oder Staaten nicht ausreicht, müssen neue Wege gefunden und Strategien erarbeitet werden, um auf nicht-militärische Art zu Ergebnissen zu kommen. Dazu müssen die Tage der Waffenexporte ebenso enden wie das Festhalten an militärischen Lösungen.

Zugunsten dem Wohl zukünftiger Generationen muss es unser Bestreben sein, unsere Auseinandersetzungen nicht mehr auf dem Schlachtfeld zu führen und dabei das Leid Unbeteiligter hinzunehmen. Da wir heute, am Volkstrauertag, jenen geliebten Menschen gedenken, die durch die Sprache des Krieges umkamen, liegt es an uns ein Zeichen für den Frieden und gegen den Krieg zu setzen. Es liegt an uns, den Volkstrauertag zukünftig nicht nur als Gedenktag mit Blick auf die Vergangenheit zu verstehen. Vielmehr auch als Symbol dafür, zukünftigen Generationen gleich welcher Herkunft das Leid des Krieges zu ersparen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe Immer wieder sonntags zum Volkstrauertag, 18.11.18.

Wo Gestaltende gefordert sind

Immer wieder sonntags #8

Marina hat zwei kleine Kinder. Sie ist 27 Jahre alt, seit einigen Monaten in Deutschland zuhause und kam ohne Mann, ohne Zeugnis und ohne Perspektive auf einen Job aus einem Nicht-EU-Land hierher. Sie spricht und versteht kaum die Landessprache, ihren Kindern kann sie daher nur die Muttersprache beibringen. Marina sucht nach Wegen zu einer guten, gesellschaftlichen Integration.

Die Hürde, die ihr vor allen anderen immer wieder begegnet, ist Geld. Ob es dabei um die Lebensmittel, die Ausstattung der Wohnung oder die Kleidung ihrer Kinder geht, ist zweitrangig. An allen Ecken und Enden reicht es nur fast zum Nötigsten. Trotz der Unterstützung durch Ämter, die Vermittlung in Grundbausteinkursen und der Hilfe eines lokalen Fördervereins merkt sie, es geht kaum voran. Zu eng sitzt das Korsett der Kosten, zu gering ist der Spielraum an Budget und somit scheiden viele Möglichkeiten aus, sich individuell unterstützen zu lassen.

Gerne würde sie mehr an der Sprache arbeiten und nebenher auch an ihrer Gesundheit. Immer wieder hat sie mit Belastungsstörungen zu kämpfen und hadert mit ihrer Konzentrationsschwäche. Ihre Frustrationstoleranz müsste schon der Kinder wegen aufgearbeitet werden, von den Ursachen ihrer Migräne will sie gar nicht erst anfangen. Doch für das jüngere Kind sieht es in Ermangelung lokaler Kapazitäten schlecht aus mit dem Kita-Platz. Der Ältere benötigt täglich Hilfe, die schon beinah dem Format der Ganztagsbetreuung gleicht. All das deckt Marina nach Kräften ab.

Freunde hat sie keine, denn die Umgebung bleibt neu und fremd, da die Integration schwer fällt. Einige Verwandte hat sie schon, jedoch leben diese nicht in diesem Land. Neben der mangelnden Unterstützung bei der Bewältigung täglicher Aufgaben fehlt Marina außerdem eine Schulter zum Anlehnen und ein paar Ohren, die ihr mit einer erwachsenen Geisteshaltung zuhören. Sie betet und wünscht sich, ihre Hoffnungen würden erhört.

Dabei erhofft sie sich Gottes Wink an die Kräfte der Politik, sie zu unterstützen. Doch vielleicht ist dafür gar keine überirdische Kraft vonnöten. Viel mehr sollte es Teil des Grund- und Selbstverständnisses sein, als aktiv wirkende und gestaltende Kraft in der Politik über ein Gefühl und ein Auge für Menschen zu verfügen, diese Dinge zu erkennen und zu verstehen. Diese Entwicklungen zu analysieren und im positiven Sinne zugunsten unserer Gesellschaft zu beeinflussen. Den Dingen vorauszuwirken und nicht erst dann hinterherzulaufen, wenn der Schaden bereits tief geht und große Anstrengungen notwendig sind, ihn wieder zu beheben. Denn Ausbaden muss es sonst am Ende die Bevölkerung.

Wir müssen unserer Aufgabe der gestalterischen Verpflichtung zugunsten aller Menschen in Kreis, Land und Bund mit Bedacht, Obacht und doch zugleich mit Handlungsstärke begegnen, um uns für die Herausforderungen der Zukunft angemessen vorzubereiten und jenen, die von diesen Strukturen profitieren, den Zugang so einfach wie möglich zu eröffnen. Dafür lohnt es sich immer, am eigenen Tellerrand vorbei zu schauen, wo Handlungsbedarf besteht und wie man diesen effektiv und nachhaltig mit effizienten Lösungen bedient. Wir werden uns stets dieser Herausforderung stellen!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu sozialen Handlungsbedarfen, 04.11.18.

Wenn die Luft zu dick wird

Immer wieder sonntags #7

Manche Firmen sind verbraucherfreundlicher als andere. Umweltfreundlicher, preisorientierter, qualitätsorientierter oder durch freundlichere Bedingungen im Umgang mit Kunden überzeugender. Diese Liste könnte man immer weiterführen und es würde sicher nicht langweilig. Viele Firmen bringen unserer Gesellschaft viel Gutes und wir sind dankbar, dass wir sie haben.

Doch kommen wir nun zu denen, die es nicht so gut meinen. Jenen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus jedem Menschen und aus jedem Ding so viel Umsatz oder Rendite herauspressen wollen, bis es nicht mehr herauszupressen gibt. Jenen, die sich nicht um die Nöte und Belange anderer Menschen und ihre individuellen Situationen kümmern wollen. Die eher Kunden verlieren als Zugeständnisse zu machen bereit sind, selbst wenn sie im eigenen Leistungsangebot jämmerlich versagen oder versagt haben. Zu jenen, die Dinge nicht anders darstellen wollen als zum eigenen Vorteil.

Nehmen wir den Abgasskandal und die beschämenden Versuche der Hersteller in der Automobilindustrie, den Halterinnen und Haltern von Dieselfahrzeugen mit leicht zu durchschauenden Taschenspielertricks auf Teufel komm raus andere Autos andrehen zu wollen anstatt angemessen zu korrigieren, wo sie auf übelste Weise versagt und die eigene Kundschaft plump um die Wahrheit betrogen haben. Und das nicht nur einmal. Wo man lieber einen weiteren Betrug inszeniert, anstelle sich der Fehler zu bekennen und um die Kundentreue zu kämpfen.

Nein, auf jener Entscheiderebene, wo es um die Wahrheit und die Moral äußert schlecht bestellt ist, verdirbt man bevorzugt weiterhin die Lungen von Mensch und Tier und natürlich die Umwelt. Eine Nachbesserung der offen gelegten Fehler auf eigene Kosten versucht diese Entscheiderebene mit widerlichen Ansprüchen zu vermeiden. Beispielsweise mit dem Vorschlag, die Nachbesserungen sollten eher die Steuerzahlenden begleichen. Das allein vorzuschlagen, ist eine Bankrotterklärung jeden Anstands.

Wer selbst in einem Skandal wie diesem als Kundin oder Kunde betroffen ist, Betroffene kennt, wer mitdenkt und mitfühlt ist an dieser Stelle aufgerufen, sich dieses abscheuliche Verhalten nicht länger bieten zu lassen. Keiner dieser Hersteller verdient es, weiter durch Abverkäufe unterstützt zu werden, so lange dieser Hersteller sich nicht zu seinen Pflichten bekennt, Manipulation unterbindet statt fördert und die Abgaswerte einhält. Er verdient vielmehr saftige Klagen und öffentlichen Druck, bis sich dieses Verhalten ändert und der Sumpf des Betrugs ebenso ausgetrocknet wird wie der lächerlich absurde Umgang mit der eigenen Kundschaft. Ein faires, angemessenes Verhalten ist gefragt und wird sicher belohnt, wenn es gezeigt wird.

Die flexible Mobilität ist heute für viele Menschen eine Grundvoraussetzung für den Erwerb des Lebensunterhalts. Gegenwärtigen und zukünftigen Generationen ist sehr zu wünschen, dass wir den Übergang von fossilen Brennstoffen zu sauberer Energie so bald wie möglich erreichen und uns nicht mehr über angeblich saubere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ärgern müssen, bei denen uns eine giftige Schummelpackung angedreht wird. Unsere Zukunft müssen wir gemeinsam zugunsten nachfolgender Generationen so umweltfreundlich und sozial wie möglich gestalten, denn unsere Kinder und ihre Kinder haben ein gesundes und gutes Leben verdient. Wir werden nicht müde, um diese Zukunft zu kämpfen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu Herstellern in der Automobilindustrie, 21.10.18.

Manche Gleichgültigkeit ist nicht mehr bezahlbar

Immer wieder sonntags #6

Die Gleichgültigkeit hat viele Gesichter. Sie ist ein mögliches Resultat einer getroffenen Entscheidung. Sie ist zugleich eine Haltung, ein Laster, eine schambehaftete Fluchtmöglichkeit.

Nehmen wir den Umweltschutz anhand eines kleinen Beispiels. Ein benutztes Papiertaschentuch liegt an der Bushaltestelle neben dem Abfalleimer. Wer bückt sich und hebt es auf? Niemand. Der Faktor des Ekels ist zu hoch, die Suche nach Alternativen des Direkts-Anfassens auf die Schnelle zu kompliziert zu lösen. Man sagt sich also, das Teil zersetzt sich durch Umwelteinflüsse irgendwann sowieso und selbst hingeworfen hat man es ja auch nicht. Haken dran und weggeguckt. Und bei der leeren Plastikverpackung, die ein paar Meter weiter herumliegt, grübelt man gar nicht erst. Egal.

Mit dieser Haltung addiert der Mensch mit dem gleichgültigen Blick kontinuierlich eins zum anderen. Die Gleichgültigkeit wächst unterbewusst mit jeder Aktion wie dieser weiter an, das Verantwortungsbewusstsein schwindet vor sich hin. Was von dieser Situation übrig bleibt, ist allerdings auch die wichtige Frage: warum war die Person, die das Taschentuch benutzt hat, nicht in der Lage es direkt in den Abfalleimer zu werfen? Die Antwort darauf ist häufig eben jene Haltung des „Egal“-Denkens, die andere Personen bewegt, den fremden Abfall einfach auszublenden.

Jeden Tag beobachtet man Menschen, denen es schlechter geht als einem selbst. Ein Hoch auf jene, die das nicht als Triumph, sondern als Handllungsaufforderung zu solidarischem Verhalten betrachten. Doch oftmals ist es anders. Über obdachlose Menschen, die um Hilfe bitten, wird gelacht und gegen sie gepöbelt. Im schlimmsten Fall werden sie beraubt, verprügelt oder sogar getötet. Hier ist die Gleichgültigkeit bei Einigen sogar zu einem anderen Extrem pervertiert.

Gleichfalls sind es Situationen, wo Gewalt gegen Einzelne angewendet wird und die Menschen drum herum, von denen sich die Einzelperson Hilfe erhofft, weggucken. Sich möglichst schnell aus dem Staub machen, um nichts damit zu tun zu haben. Unter einem bestimmten Gesichtspunkt kann sich diesen Verzicht auf Zivilcourage niemand leisten, denn jeden kann es treffen. Man selbst oder die eigenen Liebsten können jederzeit in diese Situation geraten und dann selbst Hilfe brauchen.

So wie hier anhand der Beispiele dargestellt, zieht sich der Faden der Beschädigungen, die durch gleichgültiges Handeln entstehen, durch die Politik und die Kulturen. Die Verantwortung für den Umgang von Menschen mit anderen Menschen und mit der Natur kann jede Person lokal vor Ort und viral im Netz beeinflussen. Der Umweltschutz geht uns alle an. Wer in einer besseren Welt leben möchte, sollte sich an die eigene Nase fassen und zusehen, sie auch selbst besser zu machen.

Denn wir müssen uns gegenseitig und unseren Planeten beschützen, um nicht vor die Hunde zu gehen. Treffend wurde mal gesagt, blieben die Guten untätig, würde das Böse siegen. Sei es das Aufkeimen des Faschismus, die schleichende Zerstörung unserer Natur zum Vorteil Einzelner oder das Verblassen unseres Menschseins, da uns alles egal geworden ist. So darf es niemals sein und dafür lohnt es sich, zu kämpfen. Manche Gleichgültigkeit ist heute schlicht nicht mehr bezahlbar.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“, 07.10.18.

Manche Gleichgültigkeit ist nicht mehr bezahlbar

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Was ich nicht missen will

Immer wieder sonntags #5

Letzthin haben sich für mich einige Umstände geändert und das ist gut so. Andere will ich nicht verändern und bin bereit, darum zu kämpfen, dass diese Dinge so bleiben wie sie sind.

Wenn ich am Montag aufstehe, treibt mich die Uhr an. Am Dienstag ist es anders. Da habe ich morgens viel Zeit. Nach einem Kaffee und einer Dusche schlendere ich in ein nahe gelegenes Waldstück und erfreue mich der Natur, der Stille und der guten Luft. Manchmal sehe ich Tieren zu, die nach Nahrung suchen oder schlicht umherwandern. Emsigen Vögeln, die hohe Nester bauen und Kaninchen und Eichhörnchen, die sich auf der Wiese tummeln. Sportliche Menschen zischen auf leisen Sohlen vorüber oder pausieren an der alten Holzbank mit Blick auf einen still ruhenden See.

Auf dem Rückweg gehe ich eine andere Route entlang und komme an ein paar kleinen Läden vorbei. Dort sage ich Magda, dass die neue Dekoration im Schaufenster toll aussieht, die sie mit ihren Angestellten Heinz und Melek ausgetüftelt und mühsam aufgebaut hat. Ihr Mann Juri pflichtet dem bei. Ich grüße Frau Garcia Lopez auf ihrem Balkon, die in Schürze und Kopftuch gekleidet gerade den Haushalt auf Vordermann bringt. Im Erdgeschoss sitzen Kevin, Amir und Dario auf der Veranda vor der Eisdiele. Der Eismann Herr Olumahandi winkt mit einer Eistüte in der Hand.

Und dann beginnt mein Tag zum zweiten Mal, allerdings mit einer ganz anderen Qualität als am Montag. Warum ich Ihnen das erzähle? Es ist ganz einfach. Kleine und doch elementare Höhepunkte des Tages für einen einfachen Menschen laufen nicht mit Hollywood-Hochglanz ab. Man erkennt sie bei diesem Beispiel an den Merkmalen der Entschleunigung, des Stressabbaus und der Regeneration. Dafür sind kein Wellness-Wochenende und kein Kurs notwendig, sondern vielmehr die grundsätzlichen Eckpfeiler jener Realität, die wir selbst für uns geschaffen haben.

Ein Leben im Einklang mit der Natur. Es klingt wie ein unrealistischer Slogan, wenn man sich die eben erwähnte Realität anguckt, aber der Anspruch ist so alt wie das menschliche Denken selbst. Zweifellos gilt das nicht für alle Menschen, doch erfreulicherweise für viele. Wie wertvoll das Erhalten der Natur um ihrer Selbst willen und zugunsten von Mensch und Tier ist, lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken. Leider bilden Zahlen ab, wie lukrativ die Ausbeutung und Zerstörung dieser Natur ist. Wenige befürworten und tun das, und doch bleibt die Profitgier hier ein riesiges Problem.

Das gute Leben in einer multiethnischen Gesellschaft. Wenn man sich die Probleme auf unserem Planeten anschaut, richten manche Menschen direkt den Blick auf nationale Belange und neigen zu schnellen Urteilen. Manche Menschen verspüren größere Ängste vor Veränderungen als andere. Dennoch bleibt es unverzichtbar, solidarisch mit anderen Menschen umzugehen. Sei es in der Nachbarschaft, auf dem Mittelmeer, selbst über Kontinente hinweg. Es gilt, Leid zu lindern und Unrecht zu bekämpfen. Ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe, Religion oder der sexuellen Identität.

All das ist ein Teil meines Lebens. Ich will weder diesen schönen, kleinen Wald missen noch meine internationale Solidarität oder diese großartigen Menschen auf meiner Morgenroute. Ganz egal, was manch Andere sagen, gerne hätten oder vorhaben.

Es ist Zeit, an jedem Fenster und auf jeder Straße Flagge zu zeigen. Als demokratische Gemeinschaft, die aufsteht gegen Hass und Hetzjagden, gegen Gewalt und Intoleranz.

Die einsteht für Toleranz, Solidarität, für soziale Gerechtigkeit und für den Umweltschutz. Für eine Welt, in der wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu multiethnischer Toleranz und zum Umweltschutz, 23.09.18.

Das regelt der Markt

Immer wieder sonntags #4

Eine Faustregel macht dieser Tage immer wieder die Runde. Wenn es um unliebsame Themen wie die Knappheit bezahlbarer Wohnungen für Geringvermögende geht, werden manchen Menschen die Worte knapp. Will sich der zuständige Amtsträger an Themen mit so hohem Reizpotential nicht die Finger verbrennen, stiehlt er sich aus der Verantwortung mit Phrasen wie: das regelt der Markt!

Haben sie sich schon einmal auf den Markt verlassen, als sie eine Anfrage für eine Mietwohnung abgeschickt haben? Wenn ja, dann will man ihnen nur wünschen, dass der Markt darauf positiv geantwortet hat. Denn auch wenn man darauf hoffen mag, dass sich hinter diesem gesichts- und namenlosen Neutrum ein mit Verständnis und Umsicht wirkender Mensch befindet, der alsbald antwortet, versickern diese Anliegen doch oft genug in den namenlosen Weiten jenes Marktes.

Passiert dies, wird denen, die dringend günstigen Wohnraum benötigen, schnell der finanzielle Atem knapp. Hier teilt sich die Masse der Suchenden in die, denen das Jobcenter oder das Sozialamt noch mögliche Optionen bieten, wenn denn welche auf dem Markt vorhanden sind. Und in jene, die mehr oder weniger knapp über der Bemessungsgrenze für Leistungen liegen, also die gerade eben zu viel verdienen, um Ansprüche auf Unterstützung von diesen Ämtern zu haben.

In beiden Ausgangslagen ist die vorliegende Situation deprimierend und unsäglich. Denn wer sind wir, die Menschen in einem der reichsten Länder der Erde, wenn wir unseren Ärmsten und wirtschaftlich Schwächsten nur einen abgewetzten Schuhkarton im zwölften Stock oder gar die Notunterkunft oder das Obdachlosenasyl anbieten, obwohl es bei weitem zu mehr für alle reicht. Reichen muss und auch reichen kann, wenn die Bereitschaft dazu auch wirklich vorhanden ist.

Jene, die Wohneigentum verwalten und vermieten und natürlich die Wirkenden in der Politik sind hier gefordert, Verantwortung zu übernehmen und die wirtschaftlich Schwachen zu stärken. Tun sie das nicht, wird auch dadurch die soziale Spaltung weiter zunehmen und irgendwann kaum mehr jemand übrig bleiben, an dem sich auf dem Markt etwas verdienen lässt. Verknüpft mit der Gewissheit, wer es zugunsten kurzfristiger Profite mitverursacht hat, anstatt es zu verhindern.

Wenn hier Gerechtigkeit erneut Einzug halten soll, sind die Betrachtung und Handlungsbereitschaft nicht mehr nur auf die Bedürfnisse der Märkte auszurichten, sondern viel mehr auf die Bedürfnisse der Menschen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zur Wohnsituation in unserer Gesellschaft, 09.09.18.

Das regelt der Markt

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Ein Pfand für alle

Immer wieder sonntags #3

Diese Geschichte handelt von Eva. Erzählt wird aus dem Leben einer Frau, die auch Helga oder Karen heißen könnte. Als ich sie erstmals sah, saß sie im Eckbereich der Terrasse eines Kaffeehauses. Fein gemacht in heller Bluse und grauem Rock, aß Eva ihren Apfelkuchen mit Sahne und trank Kaffee mit Milch und zwei Stück Zucker. Ihrer Nachbarin am Nebentisch erzählte sie gerade, dass sie trotz stolzer 64 Lebensjahre noch immer einen besseren Job mache als diese jungen Dinger, die eines Tages in ihrem Büro schalten und walten würden. Während sie sprach, rümpfte sie die Nase und legte die Stirn in Falten. So verliefen sie meist, die Gespräche an ihrem Tisch. Auch wenn die Tischnachbarin weitaus seltener in diesem Café verweilte als es Eva tat.

Zwischendurch schweifte man ab, verlor sich in Gedanken und betrachtete die Menschen. Manche schlenderten bummelnd umher, andere wirkten eher gehetzt. Eva beobachtete schließlich eine Frau in ihrem eigenen Alter, die einen Einkaufstrolli hinter sich her zog und gemächlichen Schrittes die Einkaufsstraße passierte. Beim Anblick der abgetragenen, grauen Strickjacke und der ausgeblichenen Hose der Frau mit dem Trolli wandte Eva den Blick harsch wieder ab. Ein paar Sekunden später sah sie aus dem Augenwinkel, dass die Hand der Frau mit dem Trolli in einem öffentlichen Abfallbehälter verschwand. Momente darauf kam eine leere Plastikflasche zum Vorschein, nach jener die Hand gegriffen und sie aus dem Müllbehälter geborgen hatte.

Da brach die Abscheu aus Eva heraus. Sie sprach im erzürnten Ton vom schamlosen Herumwühlen im Abfall anderer Leute, was manche wohl als ganz normal empfänden. Von der Inkompetenz dieser Betreffenden, da sie nicht mit Geld umgehen könnten. Und nicht zuletzt von mangelndem Anstand und davon, nach außen hin doch bitte stets das Bild zu wahren. Es seien eben doch nicht alle Menschen gleich – manche Menschen wären doch gleicher als andere. Ihre Tischnachbarin lauschte der Tirade von Eva, ohne sie direkt anzusehen. Erwidert hatte sie nichts. Die Frau mit dem Trolli zog derweil weiter und verschwand behäbigen Schrittes hinter einer Häuserecke. Bald ging auch die Tischnachbarin und es dauerte einige Wochen, bis Eva sie wieder im Kaffeehaus antraf.

So vergingen die Tage. Eva wurde bald in den Vorruhestand verabschiedet, obwohl sie selbst es von allen Beteiligten am wenigsten wollte. Nun hatte sie viel Zeit, auch in Kaffeehäusern andernorts die ausgelegten Zeitungen zu studieren und nebenher die Menschen um sie herum zu beobachten. Da fiel ihr auf, dass die Beobachtung zu der Frau mit dem Trolli keiner Seltenheit entsprach. Viele Männer und Frauen aus ihrer Generation sammelten Pfand, suchten die Ausgabefächer für Münzen von Automaten an Bahnhöfen mit den Fingern ab oder waren sich selbst des offenen Bettelns nicht zu schade. Als Eva in einem auswärtigen Café eine Gruppe Männer und Frauen beobachtete, die orangene Westen trugen und mit Greifgeräten Abfälle sammelten, stockte ihr der Atem.

Am Nachbartisch rief einer spöttisch laut aus, da käme die Ein-Euro-Job-Karawane. Inmitten dieser Gruppe erkannte Eva die Tischnachbarin aus ihrer Gemeinde. Sie schluckte und ihr verging der Appetit auf Apfelkuchen mit Sahne. Sie begann, sich zu fragen, ob sie es sich mit manchem Urteil nicht zu leicht gemacht, die Dinge zu oberflächlich betrachtet hätte. Und ob ihre Tischnachbarin aus der Gemeinde sich den Besuch im Café vielleicht nur ein Mal im Monat leisten könnte. Wie gefühllos, so fern jeden Respekts und abscheulich es von Eva gewesen sei, sich derart abwertend über andere, ihr fremde Menschen zu äußern. Von nun an würde Eva anders über jene Menschen und ihre Nöte denken und sie spürte das dringende Bedürfnis, sich zu entschuldigen.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe „Immer wieder sonntags“ zu Armut, Demut und Scham in unserer Gesellschaft, 26.08.18.

Ein Pfand für alle

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Warum es an der Zeit ist, nachdrücklich für mehr Klimaschutz zu kämpfen

Immer wieder sonntags #2

Wer in den letzten Wochen im Angesicht tropischer Temperaturen im norddeutschen Raum verwundert aufstöhnte, war damit nicht allein. Die Werte erreichten täglich neue Rekordmarken und mancher fragte sich bereits, ob auch bei uns lebensbedrohliche Klimaspitzen eintreffen könnten, wie sie zuletzt in Japan zu beobachten waren. Während die Menschen zahlreich an die Badeseen strömten, verzweifelten die Landwirte angesichts trockener Böden und verdorrter Ernten. Bundesweit machte sich darüber hinaus die Sorge breit, durch sinkende Grundwasserpegel könnte schon bald der vorerst letzte Tropfen manchen Wasserhahn verlassen. Vielerorts wurde die Bewässerung der Gärten stark reduziert oder eingestellt.

Die Klimaerwärmung ist auch bei uns Norddeutschen angekommen, daran besteht kein Zweifel mehr. Ob im Kern vom Menschen verursacht oder begünstigt, ist der Zeitpunkt mehr als deutlich erreicht, für mehr Klimaschutz zu kämpfen, wo wir die Möglichkeit haben, Einfluss zu nehmen. Das Roden von Wäldern, das Vergiften der Gewässer und das Verderben der Luft sind nur einige Beispiele, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Der Ausstoß von Schadstoffen, mit dem allen voran die Industrie, die Massenviehzucht und die Hersteller von Kraftfahrzeugen durchgekommen sind, muss massiv reduziert werden, auch wenn es Kosten und nervenaufreibende Kämpfe bedeutet.

Die Wertschätzung für saubere Luft, giftfreie Gewässer und eine rücksichtsvolle Behandlung natürlicher Ressourcen müssen uns nach dem eigenen Menschenverstand und im Hinblick auf zukünftige Generationen wertvoller sein als kurzfristige Gewinne, hohe Renditen und Machtgelüste. Es sollen vielmehr genau diese Kinder und Enkelkinder sein, an denen man sich erfreut. Glücklich und gesund sollen sie sein und faire Chancen sollen sie haben. All das darf ihnen nicht verbaut werden, weil wir ihnen einen ruinierten Planeten hinterlassen haben. Weil wir der Meinung waren, jeder Mensch hätte seinen Preis. Dass dieses Angebot „jeder“ angenommen hätte.

Am Ende sind es nur wenige Schlüsselpersonen, die über die Zukunft vieler Menschen hinweg Entscheidungen treffen. Diese fallen entweder zugunsten des persönlichen Vorteils oder zum Wohle vieler Menschen aus. So ist an jede Einzelne und an jeden Einzelnen zu appellieren, über das eigene Bestreben hinaus die Auswirkungen im Blick zu behalten, wofür oder wogegen man sich stark macht. Ich zähle sehr darauf, dass es viele Menschen für unsere Erde tun.

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zur Zerstörung ökologischer Systeme, 12.08.18.

Warum es an der Zeit ist, nachdrücklich für mehr Klimaschutz zu kämpfen

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Wie manche Menschen jeden Anstand über Bord werfen

Immer wieder sonntags #1

Man hört es im Bus, in der Bahn, am Kaffeestand oder auf der Terrasse vom Lieblings-Café. Immer häufiger kommen Menschen zusammen, die sich nach dem „Hallo“ und „Alles gut?“ ungeniert und lauthals zu einer Hetzerei aufmachen, bei der Zuhörern an den Nebentischen ganz anders wird. Ob es im Ursprung um die Özil-Debatte, um die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, um das Thema Grenzen in Europa oder um andere ähnliche Themen geht, ist eigentlich schon fast nebensächlich. Menschenverachtende Kommentare, die man vormals nur als Stammtisch-Sprache der übelsten Sorte wahrnahm, werden heute fälschlicherweise als salonfähig missgedeutet. Als sei das normal.

Das primitive und von abwertenden Klischees durchtränkte Hetzen in Wort, Mimik und Gestik zeigt eine schockierende Verrohung auf. Der Anstand mancher Menschen scheint ebenso völlig verloren gegangen oder ausgeblendet worden zu sein wie deren Mitgefühl. Festgemacht an Einzelnen werden ganze Volksgruppen beleidigt, in Verruf gebracht und in der Öffentlichkeit gebrandmarkt. Die Wortgewalt steigert sich, wenn niemand widerspricht. Plötzlich hält jemand eine auf wirren Vorurteilen aufgebaute Hetzrede im Café oder im Bus, die inhaltlich zumindest einen Teil der Anwesenden auf das Übelste beleidigt und abwertet. Doch steht jemand auf und stellt sich dagegen?

In der Realität passiert das viel zu selten. Eher wird die Tugend gebeugt, neben allen anderen doch bitte auch mit dieser Meinung tolerant umzugehen. Doch das ist ein Widerspruch in sich, denn wer hier spricht, steht für ein Ende der Toleranz, wie wir sie kennen. Wer hier spricht, stellt sich gegen die Empathie, Hilfsbereitschaft und Solidarität. Wenn man sich das mal genau überlegt, ist das ein Angriff auf uns alle, die eine tolerante Gesellschaft erhalten wollen. Verpackt in eine miese Verkleidung, doch nur alle beschützen zu wollen, die seit jeher in Deutschland lebten, ist es um so mehr ein Angriff auf die Seele dieses Landes, verächtlich gegen andere Menschen zu hetzen.

Darum ist es in Zeiten wie diesen um so wichtiger, klar Position zu beziehen und der eigenen Stimme Ausdruck zu verleihen. Wir sind oder waren zumindest mal eine Nation des Anstands und der Solidarität, und wir werden durch unsere Präsenz und mit unseren Stimmen darum kämpfen müssen, die Tugenden und Werte zu verteidigen, die uns allen als unverzichtbare Grundwerte bewusst sein sollten. Ganz gleich, wo ein Mensch geboren ist, woher der Weg dieses Menschen führte und wohin er verlaufen wird: Jeder Mensch hat es im Grundsatz verdient, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Das und nichts anderes ist normal. Daran hat sich nichts geändert!

Ein Kommentar von Frank Ramson aus der Reihe "Immer wieder sonntags" zur Veränderung unserer Gesellschaft, 29.07.18.

Wie manche Menschen jeden Anstand über Bord werfen

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